Sport : Schnee gesucht

Kati Wilhelm erforscht bei der Biathlon-WM in Oberhof den Untergrund

Helen Ruwald

Oberhof. Sonderlich groß ist das Interesse an Biathlon auf Malta nicht. Von einer deutschen Olympiasiegerin, deren Markenzeichen rote Haare unter einer roten Mütze sind, hat man dort noch nie etwas gehört. Und so hielt die Familie, bei der Kati Wilhelm im Sommer während eines Sprachkurses wohnte, ihren Gast zunächst für eine Kugelstoßerin. Das kann Kati Wilhelm in ihrer Heimat Thüringen nicht passieren. Auf dem Weg nach Oberhof, wo gestern Abend die Weltmeisterschaft eröffnet wurde und heute der Sprint-Wettbewerb ausgetragen wird, fuhr sie an Werbeplakaten für die WM vorbei, auf denen ihr Name stand. „Da fing es schon an zu kribbeln“, erzählt die 27-Jährige, die aus Oberhofs Nachbarort Zella-Mehlis stammt.

Nur zu Saisonbeginn wurde Wilhelm einmal Zweite im Weltcup, danach belegte sie in Einzelrennen keine Spitzenplätze mehr, wurde mal Sechste, mal 17., mal 27. „Ich habe mich mit meinen letzten Ergebnissen sicher nicht in die Favoritenrolle gedrängt“, sagt sie ganz locker, „es wäre aber schon schön, wenn ich Richtung Podest laufen könnte.“ Der Ausfall von Uschi Disl erhöht den Druck auf die Goldmedaillengewinnerin von Salt Lake City 2002 noch zusätzlich. Doch die schlechten Platzierungen scheinen Kati Wilhelm nicht zu belasten, nicht mehr jedenfalls. Schließlich war sie beim letzten Weltcuprennen vor der WM in Antholz als Zwölfte in der Loipe so schnell wie nie zuvor in dieser Saison. „Da konnte ich endlich mal wieder ein paar Läuferinnen überholen, das war bis dahin ja eher ein seltenes Gefühl gewesen.“ Nach Weihnachten hatte sie ihre Ski ausgetauscht, vor dem Rennen in Antholz dann auf zwei Weltcupstarts verzichtet und stattdessen alleine mit einem Trainer an ihrem Laufstil gearbeitet. Nicht nur im Schnee, auch vor dem Fernseher. „Ich habe versucht, das Gewicht nach hinten zu verlagern, damit der Ski läuft. Auf Video hat man gesehen, dass ich die Hüfte verdreht habe.“ Sie versuchte, die Fehlhaltung beim Laufen zu korrigieren, so wie sie schon vor Saisonbeginn an ihrer Schießtechnik gearbeitet hatte.

Erst 1999 war sie vom Langlauf zum Biathlon gewechselt und hat aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Erfahrung am Schießstand immer wieder Probleme. Sie absolvierte Sondereinheiten bei den Suhler Sportschützen. Die Trainer dort korrigierten prompt ihre Haltung beim Liegendschießen.

Doch heute sind nicht nur sicheres Schießen und schnelles Laufen wichtig. Entscheidend wird sein, „wer mit den Bedingungen am besten zurechtkommt“, sagt Wilhelm. Weil es so warm ist in Oberhof, ist der Schnee weich und tief, obendrein soll Wind kommen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Natur nicht immer so nett zu uns ist, dass es minus fünf Grad und Pulverschnee hat“, sagt Wilhelm. Um nicht zu sehr im Schnee einzusinken, „muss man die Augen offen halten, es gibt überall ein paar feste Stellen“. Wenn Kati Wilhelm die Augen vor sich in den Schnee richtet, hat sie wenigstens keine Zeit, auf die Videoleinwand an der Strecke zu blicken. Bei der WM in Chanty Mansijsk 2003 beobachtete sie im Verfolgungsrennen gebannt auf der Leinwand, wie Martina Glagow Gold gewann. Kati Wilhelm war so fasziniert, dass sie versehentlich eine Strafrunde zu viel lief. Sie wurde 38.

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