Sport : Schneeforscher (V): Die letzte Trophäe

Ernst Podeswa

Wissen Sie, was der V-Stil ist? Kennen Sie Jaromir Jagr? Und wer sind die Favoriten beim Snowboard? Der Wintersport ist vielfältig und mitunter kompliziert. In dieser Serie stellen wir Ihnen die 13 olympischen Wintersportarten vor.

Wenn ein Athlet 34 Jahre alt und 21 davon in einer Sportart zu Hause ist, sollte es für ihn keine Geheimnisse mehr geben. Und doch ist Frank Luck, dienstältester deutsche Biathlet, immer noch auf der Suche nach der Lösung des folgenden Rätsels: Warum gibt es so viele Biathleten, die über Jahre zur Weltspitze zählen und noch nie einen Einzelsieg bei Olympischen Winterspielen schafften? Dazu gehören die Schwedin Magdalena Forsberg, der Franzose Raphael Poiree, der Russe Pawel Rostowzew - und auch Frank Luck.

14 Weltcupsiege hat er gefeiert, achtmal war er Weltmeister. Zweimal war er mit der Staffel Olympiasieger, doch im Einzel hat er bei drei Olympia-Auftritten nur eine bescheidene Silbermedaille geholt, 1994 in Lillehamer. "Es ist vermutlich eine mentale Geschichte", sagt Luck. "Olympische Spiele sind nur alle vier Jahre, da verkrampft man leicht. Die Tagesform spielt außerdem eine große Rolle. Der Schnee, das Wachs, die Ski, der Wind und die besondere olympische Atmosphäre natürlich. Und ein bisschen Glück gehört eben auch dazu."

Bundestrainer Frank Ullrich billigt den Erfahrensten seiner sechs Starter die besten Aussichten zu: Fischer, Groß und Luck. "Normalerweise müsste ich über 20 km am besten abschneiden", sagt Luck. "Da muss viermal geschossen werden, und ein Fehler kostet eine Strafminute." Luck gilt als der beste Schütze der deutschen Skijäger. Und doch weiß er, "dass ich mich nicht nur auf ein Rennen fixieren darf. Ich muss flexibel bleiben." Auch bei der WM 2000 in Oslo hatte er vorrangig die 20 Kilometer ins Visier genommen. Da wurde er Dritter, nutzte aber die sich bietende Gelegenheit zum Sieg im Verfolgungsrennen.

Wenn sich diesmal diese Chance auf drei Einzelstrecken nicht eröffnet, dann dürfen die Deutschen auf die Staffel und natürlich auf Frank Luck bauen. Der Hobbyjäger, zu dessen Trophäen ein in Kanada erlegter Bär zählt, ist mit seinem läuferischen Vermögen, seiner Nervenstärke und seiner Präzision am Schießstand der ideale Schlussläufer. Das dürfte auch diesmal nicht anders sein, obwohl sich der hagere Thüringer nach dem Wimpernschlag-Finale 1998 gegen die Norweger "diesem Stress" eigentlich nicht mehr aussetzen wollte. Am liebsten bis zur Weltmeisterschaft 2004. Die findet in zwei Jahren in Oberhof statt, quasi vor Frank Lucks Haustür.

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