Sport : Schneeforscher (XI): Brettern bis zum Schluss

Jörg Petrasch

Wissen Sie, was der V-Stil ist? Kennen Sie Jaromir Jagr? Und wer sind die Favoriten beim Snowboard? Der Wintersport ist vielfältig und mitunter kompliziert. In dieser Serie stellen wir Ihnen die 13 olympischen Wintersportarten vor.

Salt Lake City 2002 Fotostrecke:
Olympische Winterspiele 2002 - erste Impressionen Früher versuchte Nicola Thost immer, Journalisten ihren Sport zu erklären. Die Komplexität der Bewegungen, das berauschende Gefühl, mit dem Brett unter den Füßen durch die Luft zu wirbeln, und natürlich die Lebensanschauung, die dahinter steht. Aber irgendwann hat sie ihre Erklärungsversuche aufgegeben und sich Standardantworten ausgedacht. Auf die Frage nach ihren sportlichen Zielen sagte sie beispielsweise immer: "Ich will verletzungsfrei bleiben und mich weiterentwickeln." Aber genau das war ihr dann doch nicht vergönnt.

Nicola Thost ist Snowboarderin, spezialisiert auf Kunstsprünge in der Halfpipe. Und darin hat sie Sportgeschichte geschrieben. Vor vier Jahren gewann die gebürtige Schwäbin in Nagano die erste olympische Goldmedaille in der neu aufgenommenen Disziplin. Damals war sie 20 Jahre alt.

Ende Dezember 1999 riss ihr dann zum ersten Mal das Kreuzband im linken Knie. Sechs Monate Pause. Und als es gerade wieder bergauf ging, gleich noch einmal. Während eines Fototermins mit einem Sponsor. Fototermine waren ihr eigentlich immer zuwider. Erst recht nach diesem Unfall. Es war ein Gefühl "zwischen Ohnmacht, Wut auf sich selbst und Enttäuschung", sagt Thost. Aber ans Aufhören dachte sie nie. Sie wollte wieder auf ihr geliebtes Brett zurück: "Ich bin eine, die fährt, bis die letzten Lifte schließen." Nach fast zweijähriger Verletzungspause gelang ihr im letzten September das Comeback, gerade noch rechtzeitig sicherte sie sich das Olympiaticket. Kurz danach, im Dezember, brach sie sich die Hand. Aber sie war qualifiziert. Und kam wieder: "Rückschläge und Verletzungen lassen mich das Snowboardfahren nur noch viel mehr schätzen."

Nicola Thost schätzt auch die Freiheit, die ihr der Sport bietet. Sie reist allein durch die Welt, macht ihre Trainingspläne selbst und kann somit spontan auf Schneeverhältnisse und persönliche Vorlieben reagieren. Bei Olympia will sie natürlich ihr Bestes geben. Sollte es aber nicht mit den vorderen Plätzen klappen, dann "freue ich mich einfach darüber, auf dem Brett zu stehen".

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