Sport : Schneeforscher (XII): Buckelpiste ohne Ballett

Jörg Petrasch

Wissen Sie, was der V-Stil ist? Kennen Sie Jaromir Jagr? Und wer sind die Favoriten beim Snowboard? Der Wintersport ist vielfältig und mitunter kompliziert. In dieser Serie stellen wir Ihnen die 13 olympischen Wintersportarten vor.

Freestyle ist einer dieser neueren Namen, die nur verwirren. Früher hieß Freestyle Trickski, und jeder wusste, was damit gemeint war. Etwa Fuzzy Garhammer, der in den siebziger Jahren über Buckelpisten heitzte und wagemutige Sprünge vollführte. Oder der ehemalige Alpin-Olympiateilnehmer Willy Bogner, der 1986 in seinem berühmten Sportfilm "Fire and Ice" neben seinen riskanten Skikünsten auch noch effektvolle Pyrotechnik einsetzte. Alles natürlich ein bisschen übertrieben. Aber im Prinzip richtig.

Bei Freestyle-Wettkämpfen ist es immer laut. Musik dröhnt die ganze Zeit. Früher war Rock angesagt, heute sind es Techno-Rhythmen. Je nach Jugendkultur. Und jung ist die Disziplin auch bei Olympia. 1992 wurde in Albertville das Buckelpistenfahren aufgenommen, vier Jahre später in Lillehammer das Skikunstspringen. Nur die dritte Disziplin innerhalb des Freestyle, das Acroski (Skiballett), hat es bisher nicht geschafft.

"Das Buckelpistenfahren ist ein sehr komplexer Sport", sagt Tatjana Mittermayer, Vize-Olympiasiegerin von Nagano 1998. Die Läufer müssen eine steile und sehr holprige Piste möglichst schnell und kontrolliert bewältigen und dabei zusätzlich noch zwei Sprünge und mehrere Figuren zeigen. Spektakulärer ist allerdings das Skikunstspringen, bei dem die Athleten über eine Schanze fast senkrecht in die Luft wirbeln und dann bis zu drei Saltos und mehrere Schrauben stehen müssen. Trainiert wird dabei meistens auf Wasser, wegen der Verletzungsgefahr.

In Deutschland ist Freestyle ein Anhängsel an den Alpin-Sport. Und was noch schlimmer ist: Es gibt keine Olympiateilnehmer. Die mittlerweile 37-jährige Mittermayer, seit nunmehr 15 Jahren alleiniges Aushängeschild, musste wegen ihrer Tochter verzichten. Und die designierte Nachfolgerin und große Olympiahoffnung Sandra Schmitt kam vor 13 Monaten bei der Brandkatastrophe im Gletscherbahntunnel in Kaprun ums Leben. Zusammen mit vier jungen Nachwuchsathleten des DSV, beim Training.

Kurz vorher hatte Mittermayer noch mit der erst 19-Jährigen gesprochen. "Sie ist noch ganz in meinem Kopf", sagt die Bayerin liebevoll, "sie war das Pferdchen, auf das wir gesetzt haben." Und mit Schmitts Tod ist womöglich eine ganze Sportart in Gefahr. Der Deutsche Skiverband erwägt, Freestyle aus dem Spitzensport auszugliedern. "Das können sie aber gar nicht, denn wir sind olympisch", sagt Mittermayer. Starke Unterstützung kommt außerdem aus der USA. Dort kommen auch die Medaillenkandidaten für Salt Lake City her.

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