Sport : Schnell abhaken und voll konzentrieren

HARTMUT MOHEIT

Schon am Wochenende steht auf dem Nürburgring das nächste Formel-1-Rennen anVON HARTMUT MOHEIT SPIELBERG.D Diesmal hatten es vor allem die Boxen-Crews sehr eilig.Während bei Williams-Renault Jacques Villeneuve nach seinem sechsten Saisonerfolg noch Rede und Antwort stand, bei McLaren-Mercedes ein Gläschen auf den zweiten Rang von David Coulthard geleert wurde und bei den anderen Teams hier und da noch über den Grand Prix auf dem A1-Ring diskutiert wurde, waren vor allem die Boxen-Crews bereits wieder in vollem Einsatz.Einpacken in Höchstgeschwindigkeit war angesagt, denn bereits gestern wurden die Standplätze am Nürburgring eingenommen.Der dort ausgetragene Große Preis von Luxemburg, nur sieben Tage nach dem in Österreich, verlangt die volle Konzentration aller. "Schnell alles abhaken und auf die neue Aufgabe vorbereiten", lautete daher die Devise bei Michael Schumacher, der durch seine beiden sechsten Plätze in Monza und in Spielberg nur noch mit einem Punkt in der WM-Wertung vor Jacques Villeneuve führt.Der Sieg des Kanadiers, dazu noch der dritte Rang durch den Gladbacher Heinz-Harald Frentzen, brachte nicht nur Schumacher in Bedrängnis, sondern Ferrari verlor mit 86 Punkten bereits die Führung in der Konstrukteurs-WM an Williams-Renault (98).Die Roten aus Maranello können sich in der Eifel keine weitere Schlappe leisten, sonst ist nach dem dann 15.WM-Lauf eine Vorentscheidung gegen sie gefallen. Allein schon der gleiche Ausgang wie im Vorjahr, würde den Führungswechsel bringen.Nachdem der spätere Weltmeister Damon Hill, zu diesem Zeitpunkt noch Teamkollege von Villeneuve, die pole position errungen hatte und im Rennen auch die schnellste Runde gefahren war, hieß die Reihenfolge am Ende: Villeneuve vor Schumacher, David Coulthard (McLaren-Mercedes) und Hill."Vom ersten bis zum zehnten Platz ist auf dem Nürburgring für mich alles drin", sagte Schumacher, der sich nicht darauf festnageln lassen wollte, wie seine Chancen bei seinem nächsten "Heimspiel" wohl stehen. Er weiß zu gut, daß die Kombination von langen Geraden und schnellen Kurven, aber auch langsamen Ecken, ein Auto erfordert, das sowohl schnell ist, als auch viel Traktion (Beschleunigungsvermögen) aus den Kurven aufbringt.Zumindest in der Frage des Highspeeds hat sein Ferrari gegenüber der Konkurrenz noch einige Nachteile.Bei seinem Sieg auf dem "Ring" 1995 konnte er auf einen solchen Boliden setzen.Mit Benetton-Renault wurde er im selben Jahr zum zweiten Male Champion.Nunmehr dürfte dieses Rennen über 67 Runden (305,252 km) eher für Williams-Renault und McLaren-Mercedes wie geschaffen sein.Dem kann Michael Schumacher nur sein außergewöhnliches Können hinter dem Lenkrad entgegensetzen.Wäre ihm in Österreich nicht das Fahnen-Mißgeschick passiert, als er trotz gelber Flagge überholte und dafür eine Zeitstrafe von zehn Sekunden kassierte, wäre ihm wohl der dritte oder vierte Platz nicht zu nehmen gewesen sein.Und seine Fans hätten noch mehr Grund zum Jubel gehabt. Die großen Sympathien am A1-Ring gehörten aber von vornherein dem Lokalmatadoren Gerhard Berger.An seiner Person wurde das Formel-1-Comeback in der Steiermark nach zehnjähriger Abstinenz festgemacht.Und man versuchte, um ihn herum ein Fest aufzuziehen, daß niemand so schnell vergessen sollte.Ob dazu jedoch eine gefährliche Flugschau über den Köpfen der 120 000 Zuschauer gehören mußte ­ Pferde und Kühe rasten vor Krach kreuz und quer über die angrenzenden Weiden ­, darf angezweifelt werden.Da sorgten die Wiener Sängerknaben schon eher für Landestypisches. Die Krönung freilich blieb für die Gastgeber aus: Gerhard Berger wurde nur Zehnter.Da auch sein Noch-Teamgefährte Jean Alesi nach einem spektakulären Crash mit Schumacher-Partner Eddie Irvine gut auf der Strecke blieb, war man bei Benetton-Renault mit dem Einpacken besonders schnell.Auf dem Nürburgring soll alles anders werden.Sieger und Verlierer haben den 14.Weltmeisterschafts-Lauf der Saison längst abgehakt.Der Titelkampf könnte spannender nicht sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar