Sport : Schnell bei Hertha

Michael Skibbe stellt sich in Berlin vor und bestätigt die Vereinsversion des Zerwürfnisses mit Babbel.

von
Willkommen in der Medienstadt. Michael Skibbe kennt den Rummel von Galatasaray und der Nationalelf und nimmt es gelassen.
Willkommen in der Medienstadt. Michael Skibbe kennt den Rummel von Galatasaray und der Nationalelf und nimmt es gelassen.Foto: dapd

Berlin - Michael Skibbe ist sehr schnell zum Fan von Hertha BSC geworden. Gerade hatte das letzte Spiel mit seiner Mannschaft Eskisehirspor 0:0 am Mittwoch in Mersin geendet, da saß der Trainer im Mannschaftsbus auf dem Weg zum Flughafen und ließ sich per SMS über den Stand des Berliner Pokalspiels informieren. „1:0 für uns“, habe er gejubelt, unabhängig davon, dass er noch Trainer beim türkischen Tabellendritten war. Und „beim 1:1 war ich total enttäuscht“. Dabei spielt auch eine Rolle, dass „die Sehnsucht nach einem Pokalerfolg groß“ sei. In Berlin und bei ihm selbst.

Den großen goldenen Becher kann er nun selbst im Olympiastadion gewinnen. Denn zum einen gewann Hertha, wie Skibbe mitbekam, 3:1 gegen Kaiserslautern und steht im Viertelfinale. Zum anderen ging es danach in schnellen Schritten nach Berlin. Am Abend teilte er Mannschaftskapitän und Vizepräsident seinen Abschied mit. Am nächsten Morgen schnappte er um sechs Uhr ein Taxi zum Flughafen, stieg um viertel vor neun in den Flieger nach Tegel, unterschrieb nach der Landung den Vertrag bis zum 30. Juni 2014 und sitzt nun, um halb zwei, vor einer Hundertschaft Fotografen, Kameraleuten und Reportern.

Braungebrannt mit blassrosa Hemd und grauem Sakko sagt er Sätze wie „ich will die positive Entwicklung bei Hertha vorantreiben, in der Rückrunde attraktiven Fußball spielen lassen und den Klub langfristig wieder dahin führen, wo er vom Namen und von den Erfolgen her hingehört – ins vordere Tabellendrittel“. Und: „Ich habe mir Spiele angesehen, die Qualität der Mannschaft stimmt. Ich bin überzeugt, dass wir Gladbach im Viertelfinale schlagen.“ Sätze, bei denen Michael Preetz neben ihm strahlt. „Wir haben die Ausstiegsklausel genutzt und bezahlt“, sagt der Manager und bestätigt damit, dass Hertha 250 000 Euro an Eskisehir überweist. Und er strahlt, weil Skibbe seine Version des Zerwürfnisses mit Babbel bestätigt. „Vier, fünf Tage vor unserem Treffen in Düsseldorf“, sagt Skibbe und meint den Montag vergangener Woche, „hat mir Michael Preetz mitgeteilt, dass er mit Markus Babbel verlängern wolle, aber nicht richtig an ihn herankomme, ob ich bereit stünde.“ In Düsseldorf sei es der gleiche Stand gewesen. Einen Tag später soll Babbel laut Hertha abgesagt haben. Preetz und Babbel haben sich laut Vereinsmitteilung ausgesprochen, die Frage, ob einer der beiden von seiner Version der Ereignisse abgewichen sei, wollte der Manager nicht beantworten. „Wir haben uns darauf geeinigt, öffentlich nichts mehr dazu zu sagen“, sagte Preetz nur.

Auf Rainer Widmayer als Assistenztrainer kann Skibbe wohl nicht setzen, nach seinem Interimssieg im Pokal verabschiedete er sich von der Mannschaft. Skibbe und Preetz versuchten am Donnerstag zunächst vergeblich, ihn telefonisch zu erreichen. Skibbe will noch einmal das Gespräch mit ihm suchen. Seinen Kotrainer Edwin Boekamp wird er nicht aus Eskisehir mitbringen. Auch mit Babbel will er wohl sprechen, „weil er mir über die Spieler das ein oder andere sagen kann“.

Die wiederum hatten nach dem Pokalsieg einiges über Babbel zu sagen. „Babbel hat großen Anteil am Erfolg“, stellte Kapitän Andere Mijatovic fest. Und: „Wir wollten mit ihm weiterarbeiten.“ Ansonsten wurde Babbel von Vereinsoffiziellen und in der Stadionzeitung mit keiner Silbe erwähnt. Skibbe wird nach Familien-Weihnachten und einem letzten Türkei-Besuch am 3. Januar das erste Training leiten. Dann wird auch Raffael dabei sein, obwohl Herthas Brasilianer für seine Tätlichkeit im Spiel gegen Hoffenheim für vier Spiele gesperrt wurde. Hertha hat Einspruch eingelegt.Mitarbeit: cv

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben