Sport : Schnell unter Druck

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Das könnte man wohl Druck nennen: Wenn eine lila Gondel mit dem eigenen Konterfei quer über die Abfahrtsstrecke wandert. Wenn das Restaurant in der Klemmstraße zur WM einen Drink unter dem eigenen Namen anbietet, wenn auf der Videowand vor dem Kurpark immer wieder das Video vom eigenen Bummel mit dem Verlobten zum Juwelier gezeigt wird. Und schließlich und vor allem: Wenn knapp 10 000 Zuschauer bis zu 129 Euro ausgeben, um eine Deutschlandfahne zu schwenken und um einem selber bei einer rund zweiminütigen Skifahrt zuzusehen. Maria Riesch hat diesem Druck standgehalten und ihre zweite Medaille bei der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen gewonnen.

Natürlich werden die beiden Goldmedaillen von Vancouver in ihrer persönlichen Bilanz womöglich mehr wiegen. Aber dass sie es schafft, in gesundheitlich angeschlagenem Zustand die hohen Erwartungen bei ihrer Heim-Weltmeisterschaft zu erfüllen, das zeigt, dass sie zu den Größten ihrer Zunft zu zählen ist. Sie hat sich nicht dem Ärger hingegeben, ausgerechnet bei der für sie seit Olympia wichtigsten Veranstaltung krank geworden zu sein. Im Gegenteil, sie hat diesen Ärger in Motivation umgewandelt. Und genau das zeichnet sie aus.

Es gelingt Maria Riesch, Druck als Motivation zu sehen – und nicht als Belastung. Das schaffen nur die Besten. Hinzu kommt, dass all die Empfänge und Feierlichkeiten rund um eine WM sie nicht ablenken, sondern ihr tatsächlich großen Spaß machen und die Motivation noch steigern. So stattete sie, obwohl noch gesundheitlich angeschlagen, am Samstagnachmittag selbst dem Kirchenzelt im Kurpark einen Besuch ab. Es könnte geholfen haben, glaubt sie.

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