Sport : Schnell verschwunden

Wie Henrik Rödl sein erstes Spiel als Coach erlebte

Benedikt Voigt

Charleroi - Zweimal war Emir Mutapcic im Spiroudome von Charleroi zu sehen. Hinter den Worten „Welcome to Alba Berlin“ flimmerte auf dem Videobildschirm das Mannschaftsfoto von Alba Berlin. Der Mann, der auf dem Foto unter dem Basketballkorb steht, ist seit letzter Woche nicht mehr verantwortlich für die sportlichen Geschicke von Alba Berlin. Das macht nun der Mann, der links neben ihm steht und der um 19.05 Uhr in einem ockerfarbenem Jackett das Spielfeld betritt, um seine Spieler abzuklatschen: Henrik Rödl. Nach elf Jahren als Spieler von Alba Berlin gab der 35-Jährige gestern sein Debüt als Trainer – mit einer Niederlage. Allerdings gaben sich die Berliner dem Belgischen Meister Spirou Charleroi erst nach Verlängerung 89:94 (82:82, 33:38) geschlagen. „Die Mannschaft muss Selbstvertrauen gewinnen, und ich denke, dies war ein erster Schritt dahin“, sagte Rödl hinterher.

„Ich werde nicht alles umkrempeln“, hatte Rödl vorab gesagt, „nur das eine oder andere.“ Die erste Neuerung gab es in der ersten Sekunde, als Alba mit einer Halbfeld-Zonenverteidigung startete, eine Taktik, die von seinem Vorgänger selten angewendet wurde. Auch wechselte der Interimstrainer bereits im ersten Viertel Martynas Mazeikas und Guido Grünheid ein, später kam noch Justin Brown. Alles Spieler, die zuletzt nur selten oder gar nicht zum Einsatz gekommen sind. Doch ihr ungewohnter Einsatz lag auch an der Personalsituation. Jovo Stanojevic und Stefano Garris, sonst in der Startformation, fehlten verletzt.

Henrik Rödl coachte sehr ruhig. Die meiste Zeit stand er an der Seitenlinie und vergrub die Hände tief in den Hosentaschen. Nach fünf Minuten beantragte er erstmals eine Auszeit, sein Team lag 4:14 zurück. Daran änderte sich im ersten Viertel (9:25) nichts mehr. Dann verordnete Rödl seinem Team eine aggressivere Manndeckung. Mit einer 15:1-Serie meldete sich Alba im Spiel zurück. Einmal zog der neue Coach Mazeika am Hemd zurück auf die Ersatzbank. Der junge Litauer, der gut spielte und zwölf Punkte erzielte, hatte nicht gemerkt, dass er ausgewechselt worden war.

Nach der Pause zeigte sich, dass auch der neue Trainer noch nichts an den extremen Leistungsschwankungen der Berliner ändern konnte. Nach einer 3:18-Serie lag Alba mit 20 Punkten zurück. Mithat Demirel schied nach seinem fünften Foul frühzeitig aus. Trotzdem fand Alba wieder Anschluss. Als sich die Mannschaft auf 61:66 herangearbeitet hatte, sah Rödl eine Chance. Zumal sich sein Team in der 39. Minute gar auf 75:76 näherte. Er zeigte mit der rechten Faust an der Seitenlinie den nächsten Spielzug – prompt warf Gerald Brown sein Team mit Albas erstem und einzigem verwandelten Dreipunktewurf erstmals in Führung: 78:76. Jedoch traf Charleroi in den letzten 40 Sekunden zwei Dreipunktewürfe. Michael Wright glich zwei Sekunden vor der Schlusssirene aus: 82:82.

So erlebte Henrik Rödl gleich seine erste Verlängerung als Alba-Trainer. In dieser entschied der überragende Marcus Faison, der insgesamt 36 Punkte erzielte, das Spiel für Charleroi. Nach der Schlusssirene schüttelte Rödl seinem Gegenüber Savo Vucevic noch die Hand und verschwand dann schnell in der Umkleidekabine.

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