Sport : Schnell weg hier

Beim umstrittenen Formel-1-Rennen in Bahrain fährt Vettel zum ersten Sieg.

Karin Sturm[Manama]
Der Despot klatscht. Kronprinz Salman bin Hamad Al Khalifa gratuliert Vettel.Foto: dapd
Der Despot klatscht. Kronprinz Salman bin Hamad Al Khalifa gratuliert Vettel.Foto: dapdFoto: dapd

Am Ende war es ein „perfekter Sonntag“ für Sebastian Vettel – auch wenn es für die gesamte Formel 1 sicher alles andere als ein perfektes Wochenende in Bahrain war. Zu lang die politischen Schatten, zu groß der weltweite Imageverlust, um das mit einem vor allem an der Spitze sehr spannenden Rennen wettmachen zu können. Denn auch wenn für die Fahrer im Laufe eines solchen Rennwochenendes gilt, „dass wir so stark auf unsere Arbeit konzentriert sind, dass wir sicher das ganze, was sich darumherum abspielt, nicht immer wirklich wahrnehmen können“, wie Vettel nach seinem Erfolg feststellte: Diejenigen, die dafür sorgten, dass er und seine Kollegen hier antreten mussten, werden sich in nächster Zeit noch einige Fragen stellen lassen müssen.

Vettel, der vom Start weg die Führung übernahm, musste hart kämpfen, um Formel-1-Heimkehrer Kimi Räikkönen im Lotus hinter sich zu halten, der vor seinem Teamkollegen Romain Grosjean Zweiter wurde. Die Lotus waren die große Überraschung des Tages, sie hatten offensichtlich diesmal in der Lotterie, wer das Auto am besten in das optimal funktionierende Reifenfenster bringt, das große Los gezogen, während die von vielen favorisierten McLaren gewaltig danebengriffen und am Ende mit Platz acht für Lewis Hamilton nur vier Punkte einfuhren.

„Ich hatte ja im Qualifying einiges an Reifen mehr verbraucht als Kimi, deshalb war es in einigen Phasen, als er noch neue Sätze hatte, ich aber mit gebrauchten unterwegs war, wirklich ziemlich eng und hart, ihn hinter mir zu halten“, sagte Vettel. Er übernahm mit seinem ersten Saisonsieg auch die WM-Führung. „Ob das jetzt die endgültige Wende war, weiß ich nicht. Aber es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung“, sagte Vettel.

Das Wochenende hatte für Vettel am Donnerstag mit einigen unglücklichen Äußerungen zur Bahrain-Situation nicht gerade gut begonnen. Wobei sich inzwischen herausstellte, dass es wohl auch einen ganz banalen, menschlichen Grund für den so untypischen Ausrutscher gab: Der zweimalige Weltmeister war schlichtweg völlig übermüdet und genervt gewesen. Am Mittwochabend war sein Flug von Dubai nach Bahrain spät abends noch gestrichen worden, nachdem Vettel lange am Flughafen gewartet hatte. Er musste zurück in die Stadt, ein neues Hotel buchen, dann sollte er Donnerstag früh um 7.30 Uhr fliegen – und saß erst einmal über zwei Stunden in der Maschine auf dem Rollfeld fest.

Dazu kam noch die Unsicherheit, ob es in Bahrain besser laufen würde als bei den ersten drei Rennen. Doch nach der Poleposition am Samstag und vor allem nach dem Sieg war dann wieder der alte, gelöste, kommunikative Vettel zu sehen. Lange Zeit zum Feiern bleib allerdings nicht – schon um 23 Uhr am Sonntagabend ging der Flieger in Richtung Heimat.

Bei Mercedes reichte es nach dem Triumph von Schanghai für Nico Rosberg diesmal nur zu Platz fünf: „Es ist hier für mich durch einen ziemlich schlechten Start, bei dem ich einige Plätze verlor, nicht optimal gelaufen, aber wir waren hier auch generell nicht ganz so stark wie in Schanghai“, sagte Rosberg. „ Es ist echt ein Durcheinander diese Saison, niemand hat vorher eine Ahnung, wer im Rennen schnell sein wird. Ich sehe aber trotz allem viel Positives bei uns, die Entwicklung geht gut voran.“

Michael Schumacher war durch einen Defekt des DRS-Systems schon in der ersten Qualifyingsession ausgeschieden, wechselte dann auch noch das Getriebe und startete von Platz 22. Immerhin schaffte er es, als Zehnter noch einen Punkt zu ergattern: „Aber die Fragezeichen bleiben. Ich weiß nicht, ob ich glücklich bin oder nicht“, sagte Schumacher. „Wir sind durchgefahren, und ein Punkt ist besser als nix. Aber man sollte schon mal die Frage stellen, ob die Reifen eine solche Rolle spielen sollten wie im Moment“, erklärte der frühere Weltmeister.

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