Sport : Schnell wie der Wind

Shirocco gewinnt das 135. Deutsche Derby, und Andreas Schütz holt damit als Trainer seinen fünften Sieg

Ingo Wolff

Für Shirocco gab es keinen Sekt – nur Wasser und das mit dem Schlauch direkt ins Maul. Der dreijährige Hengst freute sich jedoch über diese Erfrischung genauso, denn bewusst war ihm ohnehin nicht, was ihm gerade gelungen war. Shirocco hatte gerade das wichtigste Rennen in seinem Leben gewonnen und darf sich seit gestern Deutscher Derbysieger nenen. Das Derby ist ein Zuchtrennen nur für dreijährige Pferde und zudem das wichtigste deutsche Galopprennen überhaupt. Entsprechend ausgelassen hüpften und tanzten Jockey Andreas Suborics, Trainer Andreas Schütz, Besitzer Georg von Ullmann und Gestütsleiter Gebhard Apelt nach dem Sieg beim 135. Deutschen Derby auf der Galopprennbahn Hamburg-Horn um den Sieger herum. Und freuten sich über den Ruhm und die halbe Million Euro Siegprämie, die der Erfolg mit sich bringt.

Während sich Schütz und Co. feiern ließen, genoss der Hengst seine Dusche. Obwohl so viel Wasser aufs Fell nicht nötig gewesen wäre. Denn in Horn hatte es den ganzen Tag so stark geregnet, dass die Bahn nahezu komplett unter Wasser stand. Schwierige Bedingungen also – am besten mit dem durchweichten Boden kam Shirocco klar, der schließlich deutlich gewann.

Die 25000 Zuschauer in Hamburg waren begeistert, auch Rennbahnkommentator Manfred Chapmann war außer sich. Kurz vor dem Zieleinlauf ließ er sich angesichts des überragenden Rennens von Shirocco zu einer leicht abgewandelten Wiederholung seines legendären Ausrufs „Samum, Samum, ein Orkan“ beim Derby 2000 verleiten: „Es wird wieder ein Sturm“ – bei Shirocco passt das wohl auch besser.

Ebenfalls stürmisch war Trainer Andreas Schütz seinem Jockey um den Hals gefallen. Es war sein fünfter Derbyerfolg im siebenten Jahr als Trainer und der dritte Sieg in Folge. Der Kölner hat damit seinen Vater Bruno überholt und seine Ausnahmestellung bestätigt. Auch wenn ihm ein Doppelerfolg diesmal nicht gelang. Jockey Andrasch Starke war mit dem Wettfavoriten Fight Club nur auf Platz zehn gelandet. Kurz nach dem Start waren beide auf die drittletzte Position zurückgefallen und konnten sich über die 2400 Meter nicht mehr bis zu Spitze vorarbeiten. Fight Club liegen ohnehin eher kürzere Distanzen, und der tiefe Boden hatte das Rennen für ihn noch schwerer gemacht.

Shirocco und Suborics lagen die Bedingungen schon eher. Der 32-jährige Österreicher war gleich nach dem Start in der Spitzengruppe der 19 Pferde zu finden. Taktisch klug blieb er bis zur Mitte der Zielgraden hinter dem zweitplatzierten Malinas mit Jockey William Mongil. Erst dort löste sich Suborics vom Feld und gewann im Ziel mit vier Längen Vorsprung. Den dritten Platz holte sich überraschend Jockey Adrie de Vries mit Omikron. Saldentigerin, die einzige Stute im Feld, wurde Vierte. Der Einlauf war damit genau umgekehrt zum Union-Rennen in Köln – dem wichtigsten und letzten Vorbereitunsgrennen für das Derby. „Ich habe immer viel Vertrauen in das Pferd gehabt, auch nach den letzten Niederlagen“, sagte Suborics und bekam für seinen Ritt Lob vom Besitzer und Züchter Georg von Ullmann: „Das Geläuf war sehr schwierig, aber Trainer und Jockey haben einen guten Job gemacht.“

Mit Wasser gab sich Andreas Suborics nach seinem Sieg gestern allerdings nicht zufrieden. Seine Abendplanungen sahen anders aus: „Ich schaue Fußball und saufe, bis ich unterm Tisch liege.“

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