Sport : Schnell zu sein, reicht nicht mehr aus

HARTMUT MOHEIT

HOCKENHEIM .Was haben die Rennfahrer Juan-Pablo Montoya, Pedro de la Rosa, Luca Badoer, Ricardo Zonta, Max Wilson sowie die Deutschen Nick Heidfeld und Jörg Müller gemeinsam? Sie überschritten allesamt in dieser Saison die Schwelle zur Formel 1 - ohne tatsächlich auch Piloten in der Motorsport-Königsklasse zu sein.Von den "richtigen" kann es eben nur 22 in elf Teams geben.Für das Septett bleibt somit der Status von Testfahrern übrig.Nur? Der in Monaco lebende Jörg Müller aus Hückelhoven hat mit seiner Situation jedenfalls keine Probleme - im Gegenteil.

"Ich liege nachts nicht im Bett und träume davon, Formel-1-Rennen zu fahren.Das ist im Hinterkopf mein Ziel.Ich Moment bin schon glücklich darüber, beim Sauber-Petronas-Team in der Schweiz so unmittelbar dran zu sein.Dafür würden andere Fahrer in der Formel 3 oder Formel 3000 sonst etwas geben", sagt der 28jährige, der bereits in der vergangenen Saison ganz groß als vierter deutscher Fahrer im Grand-Prix-Zirkus apostrophiert wurde.In Wahrheit sah seine Situation jedoch ganz anders aus."Es wurde mehr geschrieben, als tatsächlich dran war.Ich sollte wohl regelrecht in ein Team hineingehievt werden.Gespräche in dieser Richtung gab es jedoch keine.Für mich ging es vorerst um einen vernünftigen Testfahrerjob, mehr nicht."

Der in Kerkrade geborene Müller hinterläßt keinesfalls den Eindruck eines Enttäuschten.Im Gegenteil, die Spielregeln in diesem Millionen-Geschäft machen ihn bereits zu einem Privilegierten."In die kleineren Teams steigt man mit viel Geld ein, für die großen empfiehlt man sich mit fahrerischem Potential." Die Möglichkeiten sind fast gleich Null, über den umgekehrten Weg einzusteigen.Seinen Ruf als sehr guter Rennfahrer erhält sich Jörg Müller in dieser Saison in erster Linie als Werksfahrer bei Porsche.Zweiter bei den "24 Stunden von Le Mans" und innerhalb der FIA-GT-Serie in Silverstone.Das kann sich sehen lassen.

Die Formel-1-Runden halten sich dagegen in Grenzen."Dennoch bekomme ich bei Sauber mehr Möglichkeiten als in der vergangenen Saison bei Arrows.Einen halben Tag in Silverstone und zwei Tage in Magny-Cours waren schon drin, der nächste Einsatz in Jerez steht bevor", erzählt Müller, der unter den Fittichen des österreichischen Talententdeckers Helmut Marko (Intimus von Niki Lauda und Ziehvater von Gerhard Berger und Karl Wendlinger) sehr gut aufgehoben ist.

Ein Testfahrer ist nur dann gut, wenn er den Stammfahrern (bei Sauber sind das Jean Alesi und Johnny Herbert) ebenbürtig ist.Ansonsten würde er das Team in Sachen Entwicklungsarbeit nicht voranbringen können."Ich hatte das Gefühl, daß die Ingenieure mit mir zufrieden waren.Es ist ja nicht so einfach, in ein neues Auto zu steigen, gleich schnell zu fahren und dann auch noch gute Aussagen zu treffen", beschreibt Müller seinen Job.Am liebsten wäre es ihm, wennTeamchef Peter Sauber ihn engagieren würde."Ich fühle mich unglaublich wohl dort", sagt er ohne taktisches Kalkül.Glück gehört zweifellos auch dazu.So, wie es der Österreicher Alexander Wurz hatte.In der vergangenen Saison, als Gerhard Berger für einige Rennen ausfiel, schlug seine Stunde bei Benetton.Der Ausgang ist bekannt: Er fuhr dabei sogar einmal aufs "Treppchen" und bekam prompt den ersehnten Top-Vertrag für dieses Jahr.

Auch in diesen Tagen und Wochen dreht sich das Wechselkarussell längst wieder kräftig für 1999, aber "meist ist es so, daß die Fahrer unter den Teams hin- und hergeschoben werden".Jörg Müller hofft dennoch: "Ich kann nur immer wieder meine Visitenkarte abgeben.Was danach kommt, liegt an den Sponsoren.Ich bin nun mal kein reicher Brasilianer." Seine Einstellung ist davon geprägt, später sagen zu können, "alles versucht zu haben".Wenn es nicht geklappt hat, dann hat es eben nicht sollen sein.Manchmal gibt es im Leben nur eine Chance, manchmal eben auch gar keine.Mit Blick auf die Formel 1 warten viele auf die eine.Schnell fahren können sie alle, aber das allein ist nicht entscheidend.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben