Sport : Schnelle, lange Zeit

Michael Schumacher startet auch in seinem 200. Formel-1-Rennen von der Poleposition – Momente einer einmaligen Karriere

Karin Sturm

Barcelona. Dass Michael Schumacher kürzlich fragte, „wann fahre ich eigentlich meinen 200. Grand Prix?“, war gar nicht so abwegig. Ob der sechsmalige Weltmeister in Barcelona, wo er heute zum 59. Mal in seiner Laufbahn auf dem ersten Startplatz steht, oder doch erst in Monaco sein Jubiläum feiert, hängt von der Zählweise ab. Die hochprofessionelle, hoch technisierte Formel 1 besitzt keine offizielle, verlässliche Statistik, auf die sich alle berufen können. Und so differieren die Zahlen für Schumachers gefahrene Rennen auch bei den verschiedenen seriösen privaten Statistikern um mindestens ein Rennen.

Unterschiedlich gewertet wird der Grand Prix von Frankreich 1996 – da fiel Schumacher in der Aufwärmrunde mit einem Antriebswellendefekt aus und stand nicht am Start des eigentlichen Rennens. Jahrelang wurde dieses Rennen nicht gezählt, wie der Imola-Grand-Prix 1991 für Alain Prost, als der Franzose in der Einführungsrunde vom Kurs abkam. Deshalb wird Prost, den Schumacher heute in der Statistik überholt, immer noch mit 199 statt mit 200 Teilnahmen geführt. Spätestens anlässlich Schumachers 150. Rennen wurde von den meisten Statistikern beschlossen, diesen Frankreich-GP für ihn als gefahren zu werten – womit das Jubiläum jetzt auf Barcelona fällt.

200 Grand Prix in knapp 14 Jahren – für Michael Schumacher eine lange und doch kurze Zeit: „Manchmal, wenn man zurückdenkt, kann man gar nicht fassen, was in diesen Jahren alles passiert ist. Aber es gibt auch Momente, in denen man das Gefühl hat, alles ginge gerade erst los“, sagt der Ferrari-Pilot. „Ich bin jetzt schon viel länger in der Formel 1, als ich mir das je hätte träumen lassen. Aber irgendwie wird es von Jahr zu Jahr besser.“ Obwohl das kaum noch geht, wie der folgende Rückblick auf einige Stationen der bisherigen Karriere von Schumacher zeigt:

Die Premieren: Der erste Grand-Prix seiner Karriere, in Belgien 1991, dauerte nur ein paar hundert Meter, ehe der damals 22-jährige Schumacher mit Kupplungsdefekt ausfiel. Seinen ersten Sieg feierte Schumacher dann 1992 in Belgien, auf die erste Poleposition musste er dagegen bis zum Grand-Prix von Monaco 1994 warten. Es war auch das Jahr, in dem Schumacher – durch das umstrittene Crashmanöver gegen Damon Hill in Australien – zum ersten Mal Weltmeister wurde.

Die schönen Gefühle: Der härteste Sieg für Schumacher selbst war jener, mit dem er seinen ersten Titel für Ferrari holte: „Suzuka 2000, das Duell mit Mika Häkkinen bis zur letzten Runde. Da habe ich auf der Ziellinie unheimlich intensive Gefühle erlebt, die man eigentlich kaum in Worte fassen kann.“ Auch die größte Überraschung bereitete ihm Häkkinen – den Finnen schätzt Schumacher sowieso über die komplette Zeit seiner Karriere als den Rivalen ein, der ihn am härtesten forderte. „Es war eine schöne Zeit – vor allem, weil unsere Duelle auf der Rennstrecke stattfanden und nicht irgendwie daneben, mit Worten.“ Die große Überraschung „schaffte Mika mit seinem Überholmanöver in Spa 2000 – da hat er mich echt geschockt.“ Häkkinen hatte damals den überrundeten Ricardo Zonta in sein Manöver mit einbezogen, um Schumacher bei Tempo 310 auszutricksen. Den taktisch cleversten Sieg – „da müsste man eigentlich Ferraris Technischen Direktor Ross Brawn fragen“, sagt Schumacher, „aber ich denke, Ungarn 98, der Triumph über die McLaren durch unsere Drei-Stopp-Strategie dort war ziemlich gut – oder Monaco 97, wo ich im Regen ohne Regenreifen gewonnen habe.“

Die bitteren Momente: Den größten Fehler seiner Karriere, glaubt Schumacher heute, habe er im WM-Finale 1997 in Jerez gemacht, als er erst mit Jacques Villeneuve kollidierte, dadurch seine Chancen verspielte – und dann auch noch eine ganze Zeit lang seinen Fehler nicht zugeben wollte. „Wenn ich sportlich etwas ungeschehen machen könnte, dann das.“ Das Rennen mit dem größten Ärger war in Spa 1998, der Unfall mit Coulthard beim Überrunden, „als ich im ersten Moment dachte, David habe mich absichtlich auflaufen lassen.“ Und dann „mein bitterster Sieg“ – am Wochenende von Imola 1994, als Roland Ratzenberger und Ayrton Senna auf der Strecke starben.

Die Bilanz: 200 Grand Prix – außer der Führung in fast allen Statistiken haben sie Michael Schumacher den Respekt und die Anerkennung nicht nur der Fans, sondern auch seiner Konkurrenten eingebracht. Für ihn ist es ganz normal, „dass man respektiert wird, wenn man über Jahre konstant seine Leistung bringt.“ Und er gehört auch zu denen, deren Name immer fällt, wenn der Größte aller Zeiten gesucht wird. In einer Umfrage der englischen Fachzeitschrift „F1 Racing“ unter 77 Formel-1-Insidern, Ex-Fahrern, Teamchefs, Technikern und Journalisten landete er kürzlich auf Platz drei hinter Juan-Manuel Fangio und dem Sieger Ayrton Senna.

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