Sport : Schnelle Runde, nichts dahinter?

Zur Testhalbzeit sieht es so aus, als seien Schumacher und Mercedes auch dieses Jahr nicht schnell genug

Karin Sturm[Jerez]
Gold, Silber oder Blech? Mit dem Mercedes W02 will Michael Schumacher in dieser Saison zumindest Siege einfahren. Foto: nordphoto
Gold, Silber oder Blech? Mit dem Mercedes W02 will Michael Schumacher in dieser Saison zumindest Siege einfahren. Foto: nordphotoFoto: nordphoto

Die Zeitenlisten bei den Formel-1-Testfahrten vor Saisonbeginn sind trügerisch. Zu leicht lässt sich mit frischen, weichen Reifen und wenig Benzin an Bord eine schnelle Runde einstreuen, um sich bei Fans und Sponsoren gleichermaßen interessant zu machen. Wie einfach so eine Superzeit zu erreichen ist, führte Rubens Barrichello am Sonntag vor. Der Brasilianer fuhr auf einmal sieben Zehntel schneller als der Rest der Formel-1-Welt, und zwar im Williams, der nicht unbedingt als künftiges Weltmeisterauto gilt.

Bei näherer Betrachtung ergibt sich nach der ersten Hälfte der Testfahrten für die Mitte März startende Saison ein ganz anderes Bild, als es ein flüchtiger Blick auf die schnellsten Rundenzeiten vermuten ließe. Um Sebastian Vettel etwa braucht man sich wohl kaum Sorgen zu machen. Zwar tauchten der Weltmeister und sein Teamkollege Mark Webber in Jerez stets nur im Mittelfeld der Zeitenlisten auf. Doch das hat einen guten Grund: Red Bull hat es gar nicht nötig, sich wie einige Konkurrenten auf Zeitenjagd zu begeben. Vettel konzentrierte sich im zweiten von vier Saisontests bereits auf Abstimmungsarbeiten am Auto über längere Distanzen und darauf, den RB7 immer besser an die neuen Pirellireifen anzupassen. Mit den Ergebnissen schien er auch ziemlich zufrieden. „Natürlich baut der Reifen gegen Ende einer längeren Distanz ab, aber das tut er bei allen anderen ja auch. Aber im Großen und Ganzen glaube ich schon, dass wir ganz gut vorankommen.“

Wie souverän und locker Vettel auf seinen längeren Ausfahrten seine Runden abspulte, das fiel nicht nur Beobachtern an der Strecke auf. Auch Nick Heidfeld erkannte das bei seinem Test für den verletzten Robert Kubica, als er im Lotus-Renault einmal ein paar Runden hinter Vettel herfuhr: „Für mich ist ganz klar Red Bull wieder der große Favorit dieses Jahres.“

Das kann man von Mercedes nicht unbedingt behaupten. Zwar fuhr Michael Schumacher am Freitag in Jerez die Tagesbestzeit. Aber dass die ausgerechnet einen Tag nach dem Erscheinen erster größerer kritischer Artikel über den neuen Silberpfeil kam, erschien vielen Experten schon sehr verdächtig. Natürlich stritten Schumacher und Mercedes ab, zu irgendwelchen Tricks gegriffen zu haben. Dennoch war in Jerez ersichtlich, dass der neue Mercedes über längere Distanzen nicht an die Zeiten der Spitzenteams Red Bull, Ferrari und Lotus-Renault herankam.

Und auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Wagens scheint noch nicht alles zum Besten bestellt. Schon beim ersten Test in Valencia waren die Aussetzer des Mercedes das große Problem. In Jerez blieb Schumacher an seinen beiden Testtagen zwar verschont; dafür erwischte es dann am Sonntag Nico Rosberg schon wieder, als ein Motorwechsel mehrere Stunden Testzeit kostete. „Das Team war sich nicht sicher, ob wir mit dem Motor den Tag hätten zu Ende fahren können, deshalb haben sie beschlossen, vorsichtshalber zu wechseln“, sagte Rosberg, der darüber sichtlich nicht begeistert war.

Selbst bei Michael Schumacher mischen sich langsam leichte Zweifel in den sonst offensiv zur Schau getragenen Optimismus vor seiner zweiten Comeback-Saison. Man habe einerseits „sehr große Schritte“ nach vorn gemacht. „Aber ich denke nicht, dass wir so viele Kilometer gefahren sind, wie wir uns vorgenommen haben“, meinte er in einem englischen Fernsehinterview. Rundenzeiten, erklärte er verräterisch, seien zwar wichtig, „aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Normalerweise ist das eine perfekte Situation, wenn du die ganze Zeit der Schnellste bist. Aber nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr wissen wir, dass das nicht möglich ist.“ An Bestzeiten denkt Schumacher momentan also nicht – wichtiger sei es, mehr zu fahren. Zudem hält der 42-Jährige die Abstimmung auf die neuen Pirelli-Reifen noch für problematisch: „Momentan ist es schwierig zu sagen, wie der neue Reifentyp mit dem Wagen harmonieren wird.“ Ab Freitag wird in Barcelona weiter getestet, doch „erst das erste Rennen in Bahrain wird uns tatsächlich zeigen, wie unsere Situation ist“.

Vorsorglich verbreitet der Rekordweltmeister schon einmal Zuversicht für den Fall, dass sich der neue Mercedes wieder als zu langsam erweisen sollte. „Wir sind Mercedes und wir haben ein klares Ziel“, sagt er. „Selbst wenn es in diesem Jahr schwierig wird, dieses Ziel zu erreichen, haben wir eine Vision, die nicht nur kurzfristig angelegt ist.“ Eine Saison seines Dreijahresvertrags bliebe ihm ja noch.

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