Sport : Schnelle Runde

Warum der neue Silberpfeil in der Formel 1doch kein Flop ist

Karin Sturm

Silverstone. So hat man sich bei McLaren-Mercedes die Schlagzeilen vor dem Grand Prix in Silverstone nicht vorgestellt. Der neue Silberpfeil, der noch keinen Kilometer in einem Formel-1-Rennen gefahren ist, wird als Millionen-Flop beschrieben, als Pannenauto, das nie fahren würde, und das britisch-deutsche Team sei ein Verlierer der letzten Testwoche vor der Sommerpause.

Dabei hat McLaren-Mercedes allen Grund, den elften von 16 WM-Läufen mit Zuversicht in Angriff zu nehmen. Dreimal in den vergangenen vier Jahren gewann das Team sein Heimrennen, unweit vom McLaren-Werk in Woking. Von den negativen Berichten möchte man sich deshalb auch nicht beeindrucken lassen, obwohl es als sicher gilt, dass der neue Rennwagen für Kimi Räikkönen und David Coulthard nicht vor Monza im September zum Einsatz kommen wird.

Für Mercedes-Sportchef Norbert Haug ist es deshalb unverständlich, welche Details als Beweis für den vermeintlichen Millionen-Flop genannt werden. In der Tat gibt es eher Belege dafür, dass es keine Krise gibt:

– Ein Einsatz des MP4-18, so die offizielle Bezeichnung des neuen McLaren-Mercedes, in Silverstone, war nicht mehr geplant. Das machte McLaren-Chef Ron Dennis bereits beim Grand Prix in Magny-Cours deutlich. Zwar gibt auch Haug zu, dass der theoretische Ideal-Zeitplan nicht eingehalten wird, aber letztlich steht McLaren-Mercedes doch nicht so schlecht da. Beim neuen Ferrari von Michael Schumacher, der bei weitem kein Produkt eines so komplett neuen Konzeptes war, wie es der neue Silberpfeil ist, dauerte es vom ersten Test bis zum ersten Renneinsatz in Barcelona fast drei Monate. Der neue McLaren-Mercedes fuhr Ende Mai zum ersten Mal – das sind noch keine zwei Monate.

– Das Potenzial des neuen Autos, das vor allem die Basis für den Saisonbeginn 2004 sein soll, bestätigt sich immer wieder. Alexander Wurz fuhr am letzten Testtag die absolute Bestzeit aller vier Tage in Barcelona. Der Hinweis auf neue Reifen und ganz wenig Benzin, wie es nur im Qualifikationstraining vor einem Grand Prix üblich ist, stimmte nicht. „Wir sind nicht im Qualifying-Trim, also ganz leicht und mit Top-Reifen gefahren", widerspricht David Coulthard derartigen Behauptungen, mit denen die Qualität des neuen Autos angezweifelt wurde. Coulthard war vielmehr nach einem direkten Vergleichstest zwischen dem alten und dem neuen McLaren-Mercedes angetan: „Das neue Auto ist sehr schnell. Okay, wir hatten ein paar nervige Zuverlässigkeitsprobleme, aber die haben wir fast im Griff.“

– Die Rennen in Silverstone, Hockenheim und Budapest kommen noch vor Monza, aber McLaren-Mercedes ist dennoch weiter konkurrenzfähig. Seit dem Nürburgring, als Kimi Räikkönen bis zum Motorschaden der Konkurrenz davongefahren war, als selbst der spätere Sieger Ralf Schumacher gegen ihn keine Chance gehabt hätte, hat sich nichts geändert. Für Silverstone stehen die Chancen gut – auch ohne neuen Silberpfeil.

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