Sport : Schnelle Wege zum Kommunismus

Warum Venezuelas sozialistischer Staatschef Hugo Chavez 180 Millionen Dollar in die Formel 1 investiert

Tobias Käufer[Bogota]
Foto: AFP

Die rund 180 Millionen US-Dollar sind gut angelegt: Pastor Maldonado lässt keinen Zweifel daran, wem er für die Unterstützung und damit wohl für seine Formel-1-Karriere zu danken hat – dem staatlichen venezolanischen Ölkonzern PDVSA und damit Staatschef Hugo Chavez. „Es wäre eine Ehre für mich, wenn der Präsident zu einem der Rennen der Saison 2011 kommt“, sagt der neue venezolanische Volksheld, der im März sein erstes Formel-1-Rennen für den Williams-Rennstall fahren wird. Dabei trägt der 25-Jährige jenes Modell der grellen Trainingsjacke in den venezolanischen Landesfarben, das auch Revolutionsführer Chavez bei offiziellen Anlässen so gerne trägt. Es ist das Erkennungsmerkmal eines echten „Chavista“. Auch die venezolanische Presse ist voll des Lobes: „Pastor ist dankbar für die Unterstützung von PDVSA und von Präsident Chavez“, jubelt das Fachblatt Neonvenezuela.

Im Gegenzug bildet das Williams-Team die willkommene Kulisse für die staatliche sozialistische Propaganda. Rund 20 000 Fans kamen nach offiziellen Angaben jüngst zu einer Schauveranstaltung in die venezolanische Hauptstadt Caracas. Während Maldonado auf dem Asphalt direkt vor dem Präsidentenpalast die Reifen quietschen ließ, grüßte ein riesiges Propaganda-Spruchband die Besucher: „Venezuela a toda Revolucion.“ – Ganz Venezuela ist Revolution.

Die Zusammenarbeit zwischen Williams und PDVSA soll in den nächsten Jahren rund 180 Millionen Euro in die Kassen des britischen Rennstalls spülen. Im Gegenzug dafür prangt das Logo auf dem Heck des Formel-1-Boliden. Aus dem Williams-Hauptquartier gibt es nur Worte, die man im Präsidentenpalast gerne hören wird „Wir sind stolz, dass wir dieses wundervolle Land repräsentieren dürfen“, lässt Williams-Geschäftsführer Adam Parr wissen. Die Unterdrückung der Opposition im eigenen Land und die katastrophale Sicherheitslage blendet Parr dagegen aus. Ebenso, dass die 180 Millionen Dollar in der Armutsbekämpfung in den riesigen Slums von Caracas oder Maracaibo vielleicht besser angelegt wären.

Die Zusammenarbeit mit dem vom sozialistischen Staatschef kontrollierten Öl-Konzern und der wohl kapitalistischsten aller Sportarten ist nur auf den ersten Blick überraschend. Für beide Seiten bringt die Zusammenarbeit Vorteile. Williams plant angesichts einer ungewissen finanziellen Zukunft den Börsengang: „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es der beste Weg ist, die Zukunft des Teams und seiner 450 Angestellten zu sichern“, begründet Parr das Vorhaben. Die Finanzspritze aus Caracas dürfte da sicher eine gute Nachricht sein.

Auch für Chavez dürfte die imageträchtige Kooperation Vorteile bringen. In Venezuela beginnt in diesem Jahr der Präsidentschaftswahlkampf.

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