Sport : Schneller als Doping

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Gibt es eigentlich gute und schlechte Weltrekorde? Das kann man sich fragen, nachdem die weibliche Sprintstaffel der USA am späten Freitagabend eine besondere Marke aus der Liste verdrängt hat. Fast 27 Jahre lang hielt der Weltrekord der DDR-Sprintstaffel. Er gilt bis heute als Fanal für die anabolikaverseuchte Hochzeit des Sports, genauso wie die immer noch bestehende Bestzeit von Marita Koch von 47,60 Sekunden über 400 Meter – aufgestellt übrigens am selben Tag, dem 6. Oktober 1985 beim Weltcup in Canberra.

Bisher gibt es einen Unterschied zwischen dem neuen und dem alten Weltrekord. Bei der neuen Bestzeit der USA kann man befürchten, dass Doping im Spiel war. Beim alten Rekord der DDR weiß man es. Die Staatssicherheit hat alles in ihren Akten dokumentiert. Die Sprinterinnen der DDR mögen trainingsfleißige und hochtalentierte Athletinnen gewesen sein – ihr Rekord ist dennoch wertlos. Die neue Marke der USA wird dadurch jedoch nicht besser. Können sich Material und Methodik im Laufe von 27 Jahren so stark verbessert haben, dass die Amerikanerinnen eine halbe Sekunde schneller laufen als nachweislich gedopte Athletinnen? Das können nur die Amerikanerinnen beantworten. Dieser Rekord ist zu sehr belastet, um ihn zu feiern.

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