Sport : Schneller als er selbst

Michael Phelps unterbietet seinen Weltrekord

Frank Bachner

Athen - Einmal an diesem Abend geriet Michael Phelps sogar aus dem Gleichgewicht. Er hielt sich gerade schwer atmend an einer Trennleine fest, als sich Erik Vendt, sein Teamkollege, fast auf ihn drauf wuchtete. Da musste sich Phelps noch fester an der Leine halten. Aber Vendt wollte nur gratulieren. Phelps hatte ihn gerade in Grund und Boden geschwommen, und dabei hatte Vendt, der US-Amerikaner, immerhin die Silbermedaille über 400 m Lagen gewonnen, in 4:11,81 Sekunden. Aber was war das schon gegen Phelps, den Superstar auf dieser Strecke. Der 19-Jährige hatte seinen eigenen Weltrekord verbessert, er hatte nach 4:08,26 Minuten angeschlagen.

Damit war Phelps 15 Hundertstelsekunden schneller als am 7. Juli, als er die bisherige Bestmarke aufgestellt hatte. Mehr als drei Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann, das war die große Demonstration des Michael Phelps aus Baltimore. Schon nach 50 Metern hatte er klar geführt, nach jeder Zwischenzeit lag er unter seinem bisherigen Weltrekord. Und auf den letzten 100 Metern wurde er frenetisch angefeuert von den US-Fans auf der Tribüne im olympischen Pool. Der 13. Weltrekord in seiner Karriere war die Belohnung für alle.

Aber es war ohnehin nur eine Frage, mit wie viel Vorsprung der 19-Jährige gewinnen würde, denn zu sehr beherrscht der US-Amerikaner diese Strecke seit geraumer Zeit nach Belieben. Damit war bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele allen Fachleuten klar, dass er gewinnen würde. Aber dann stand er in der Mixed-Zone, eine Dose mit Eistee in der Hand und sagte: „Jetzt ist mir einiger Druck von den Schultern genommen worden.“ Das zeigt, wie sehr auch ein Superstar wie Phelps unter Druck stehen kann. Sieben Goldmedaillen wolle er gewinnen, hatte er vor Athen angekündigt. Sieben Goldmedaillen hatte der legendäre US-Amerikaner Mark Spitz 1972 bei den Olympischen Spielen in München gewonnen. Diese Marke gilt bis heute als fast schon mystischer Rekord. Doch Phelps traut es sich zu, ebenfalls in diese Regionen vorzustoßen. Mehr noch, sogar acht Goldmedaillen sind für ihn möglich. „Den ganzen Tag habe ich an dieses erste Rennen gedacht, die Nacht davor konnte ich nicht schlafen“, sagte Phelps. Heute treffen er und Thorpe über 200 m Freistil in Vorkampf und Halbfinale im einzigen direkten Duell aufeinander.

Jener Ian Thorpe aus Australien tat es Phelps nach und gewann über 400 m Freistil, verfehlte seinen Weltrekord (3:40,08) in 3:43,10 allerdings deutlich. Auch hier sorgte Grant Hackett (3:43,46) für einen Doppelsieg. „Ich fühle mich großartig. Wir haben schon viele große Rennen erlebt, aber dieses geht in die Geschichte ein“, sagte Thorpe. Ioannis Kokkodis erreichte als erster Grieche überhaupt ein olympisches Finale und belegte Rang sechs: „Das ist ein Traum. Ich weiß nicht, ob ich das jemals noch einmal erleben werde.“

Mit dem Tempo der Schwimmer aus den USA und aus Australien konnten die Deutschen am ersten Olympiawettkampftag nicht mithalten. „Wir sind nicht gut gestartet“, resümierte Sportdirektor und Cheftrainer Ralf Beckmann im Aquatic Centre in Athen. Jens Kruppa hatte zwar schon in den Vorläufen in 1:01,19 Minuten deutschen Rekord geschwommen und damit die alte Bestmarke von Mark Warnecke von den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta um 14 Hundertstelsekunden verbessert. Im Halbfinale konnte er diese Leistung nicht bestätigen und scheiterte in 1:01,68 Minuten am Finaleinzug am Sonntag. „Ich habe im Traum nicht mit Rekord im Vorlauf gerechnet“, sagte Kruppa nicht einmal unzufrieden. Rene Kolonko, wie Kruppa aus Riesa, schied als 11. ebenfalls aus.

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