Sport : Schneller fahren, länger feiern

Renault dominiert den Auftakt der Formel-1-Saison: Fisichella siegt in Australien, Alonso wird Dritter

Karin Sturm[Melbourne]

Renault blieb noch ein bisschen länger. Während alle anderen Rennställe schon ihre Sachen packten, wurde im Zelt der Franzosen noch kräftig gefeiert. Das konnte sich das Team leisten, weil es seinen Auftritt auf der Strecke kürzer als alle anderen gestaltet hatte. Renault-Pilot Gi- ancarlo Fisichella hatte das erste Rennen der neuen Formel-1-Saison kurz zuvor überlegen gewonnen, sein Teamkollege Fernando Alonso, der von Startplatz 13 nach vorne fuhr, hatte es als Dritter beendet. Nur Ferrari-Pilot Rubens Barrichello auf Platz zwei verhinderte einen Doppelsieg der Renaults. Weltmeister Michael Schumacher schied nach einer Kollision mit Williams-Pilot Nick Heidfeld aus.

Der Große Preis von Australien in Melbourne bestätigte, was sich schon während der Testfahrten im Winter abgezeichnet hatte: Das im Moment wohl schnellste Auto der Formel 1 heißt Renault R25. Von den befürchteten Zuverlässigkeitsproblemen blieben Fisichella und Alonso erst einmal verschont – allerdings müssen die Motoren nach dem neuen Reglement inzwischen zwei Rennen überstehen. Erst beim Grand Prix von Malaysia in drei Wochen wird sich also zeigen, ob Renault tatsächlich ein Kandidat für den WM-Titel ist.

Teamchef Flavio Briatore mochte noch nicht so weit voraus denken. In seiner Einschätzung („Ein fantastisches Ergebnis, ein fantastisches Rennen“) spiegelte sich auch der Druck, der von ihm abgefallen war. Die neue Konzernleitung hatte ihm vor der Saison unmissverständlich klar gemacht, dass er nur mit Siegen seinen Job retten wird. Den ersten kann er nun vorweisen. „Ich glaube aber, wir sind noch lange nicht am Ende unserer Möglichkeiten“, sagte Briatore. „Wir können uns noch weiter verbessern.“

Am Sonntag in Melbourne ermöglichte das vorhandene Potenzial Giancarlo Fisichella bereits, das Rennen von Beginn an zu dominieren. Der 32 Jahre alte Italiener fuhr von Startplatz eins ungefährdet seinem zweiten Grand-Prix-Sieg entgegen. Zum ersten Mal durfte Fisichella dabei auch auf den mittleren Podestplatz steigen – bei seinem Sensationserfolg vor zwei Jahren in Brasilien war er erst nachträglich zum Sieger gekürt worden. Fisichella genoss die Prozedur sichtlich. „Das ist ein fantastisches Wochenende für mich“, sagte er überglücklich. Und es soll nicht das einzige in diesem Jahr bleiben.

Fisichella sprach nach seinem Sieg ganz offen vom WM-Titel. „Das Potenzial ist da“, sagte er. „Auf so einem Start kann man aufbauen.“ Neben einem guten und vor allem reifenschonenden Chassis hat Renault diesmal auch einen starken Motor entwickelt. Motorenchef Denis Chevrier glaubt, „dass wir jetzt sogar einen der besten Motoren im Feld haben“. Damit kann man Weltmeister werden.

Wer dabei Renaults größter Konkurrent wird, lässt sich noch nicht genau sagen. Rubens Barrichello konnte im modifizierten Vorjahres-Ferrari besser als erwartet mithalten. Die hoch gehandelten McLaren-Mercedes-Piloten Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen mussten sich dagegen mit den Plätzen sechs und acht begnügen.

Räikkönen würgte am Start den Motor ab und musste aus der Boxengasse starten. „Da hatte ich das Rennen praktisch schon verloren“, ärgerte sich der Finne. Mercedes-Sportchef Norbert Haug hatte immerhin gesehen, „dass wir auf jeden Fall den Speed haben, um Podiumsplätze, auch um Siege mitzufahren“. Den hatte zumindest in Australien auch das neue Team Red Bull Racing – David Coulthard kam völlig überraschend auf Platz vier ins Ziel.

Die Formel-1-Saison 2005 scheint also tatsächlich spannender und ausgeglichener zu werden. Die Dominanz von Ferrari und Michael Schumacher ist zunächst vorüber. Wesentlich mehr Überholmanöver, wie durch die Reglementsänderung beabsichtigt, gibt es aber nicht. Kimi Räikkönen etwa hing am Anfang 24 Runden lang hinter Michael Schumacher fest. „Man kommt an niemandem vorbei, wenn man nicht mindestens eine Sekunde pro Runde schneller ist“, sagte der Finne danach. Und so langsam ist der Ferrari dann doch nicht.

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