Sport : Schneller, höher, betrügerischer

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Benedikt Voigt über Olympias Probleme mit den Kampfrichtern

Die Reaktionen sagen alles. Da gesteht ein südkoreanischer Taekwondo-Funktionär, bei den Olympischen Spielen in Sydney Ergebnisse manipuliert zu haben. Der Mann heißt Chong Woo Lee, und er gibt zu, Schiedsrichter und Kampfrichter nach dem Aspekt ausgewählt zu haben, „ob sie zum Nutzen des südkoreanischen Teams benutzt werden können oder nicht“. Außerdem will er sie indirekt beeinflusst haben. Was aber sind die Reaktionen auf sein Geständnis? „Jeder will wissen, warum er das macht“, sagte ein amerikanischer Taekwondo-Schiedsrichter, „aber wir denken nicht, dass er lügt.“

Womit die olympische Bewegung den nächsten Skandal hat. Nach dem Eiskunstlaufen, wo ein russischer Mafioso in Salt Lake City zwei Entscheidungen geregelt haben soll, hat auch das Taekwondo ein Problem. Beiden Sportarten ist gemeinsam, dass sie durch Kampfrichter oder Schiedsrichter entschieden werden. Wieder mal weist sich, dass diese Sportarten leichter zu manipulieren sind als messbare Disziplinen. Was nicht heißt, dass im Weitsprung oder 100-Meter-Lauf nicht auch betrogen werden kann. Die Geschichte der Olympischen Spiele kennt viele umstrittene Entscheidungen wie den Basketball-Sieg der Sowjetunion über die USA 1972 oder die Box-Wettbewerbe in Seoul 1988. Doch die jüngsten Skandale haben eine neue Qualität, der Betrug ist offensichtlich und steht kurz vor der Aufklärung.

Nun ist es am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und den jeweiligen Fachverbänden, Konsequenzen zu ziehen. Der Eiskunstlaufverband arbeitet an Regeländerungen. Man überlegt, die Punktrichter auszulosen oder die Noten zufällig auszuwählen, die schließlich in die Wertung gehen. Beim Taekwondo könnte es sich das IOC einfacher machen. Die Kampfsportart war in Sydney erstmals olympisch. Dem betrügerischen Entree könnte nun ein schneller Abgang folgen. Das hätte den Vorteil, dass die Spiele von Athen ein paar Kampf- und Schiedsrichter weniger hätte.

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