Sport : Schneller lernen

Der EHC Eisbären muss die überraschende Niederlage gegen Krefeld zum Auftakt der Play-offs sofort verarbeiten – heute kommt es zum zweiten Duell

Mathias Klappenbach

Berlin - Stefan Ustorf sah etwas mitgenommen aus, aber nicht geschockt. Gerade hatte der EHC Eisbären das erste Spiel im Viertelfinale der Play-offs um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gegen den Außenseiter Krefeld Pinguine deutlich verloren. Doch das 2:4 gab dem Stürmer am Ende sogar Hoffnung auf eine schnelle Leistungssteigerung. „Wir müssen aus diesem Spiel lernen, dass es ein harter Kampf wird. Wir waren zu ungestüm“, sagte Ustorf.

0:4 lagen die Berliner nach einer halben Stunde zurück, unter den 4000 Zuschauern im Sportforum machte sich Fassungslosigkeit angesichts des unerwartet nervösen und lasch erscheinenden Auftretens der Eisbären breit. Es sah so aus, als wolle der Favorit testen, mit wie viel oder besser wie wenig Aufwand der Außenseiter besiegt werden kann. Die Krefelder nutzten diese unentschiedene Einstellung, mit der die Eisbären eine Reihe von Fehlern produzierten, zu ihren Toren. „Wir müssen abgezockter und mehr mit dem Kopf spielen“, sagte Ustorf. „Wir wollten zu viel machen.“

Gelungen ist den Eisbären zum Auftakt der entscheidenden Phase der Saison nicht viel, zudem scheiterten sie im zweiten und dritten Drittel immer wieder an Krefelds starkem Torhüter Robert Müller. „Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen, Krefeld hatte aber auch genug Chancen, ein Spiel zu gewinnen“, sagte Eisbären-Trainer Pierre Pagé.

Die Krefelder lauerten auf die Fehler der Eisbären und nutzten diese dann zu ihren frühen Toren. Auf die Frage, ob die Pinguine heute (19.30 Uhr) im Heimspiel selbst offensiver agieren wollen, antwortete der Krefelder Trainer Teal Fowler: „Das kommt darauf an, was die Eisbären uns erlauben.“ Die Kräfteverhältnisse zwischen dem Tabellenachten der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) aus Krefeld und dem Favoriten aus Berlin haben sich trotz des Spiels vom Mittwochabend offensichtlich nur insofern geändert, dass die Pinguine in der nach dem Modus „best of seven“ ausgetragenen Serie 1:0 führen.

Im letzten Drittel ging den Gästen die Kraft aus, zudem mussten sie ohne Verteidiger Mike Pudlick auskommen, der Denis Pederson mit seinem hohen Stock im Gesicht traf und deshalb auch noch für das heutige Spiel gesperrt ist. Die Eisbären dominierten nun so deutlich, wie man es vor dem Spiel von der besten Mannschaft der Hauptrunde erwarten durfte. Die beiden Tore gelangen aber jeweils bei einer 6:4-Überzahl, als Trainer Pagé bei Strafzeiten für die Gäste zusätzlich Torwart Tomas Pöpperle zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis genommen hatte. Beim Stand von 0:4 eine taktische Maßnahme, aber zuvor hatte der unerfahrene junge Tscheche keine Sicherheit ausgestrahlt und beim zweiten Gegentreffer schlecht ausgesehen.

Kelly Fairchild und Mark Beaufait trafen während der Überzahl nach zwei Abprallern noch für die Eisbären, und obwohl diese Tore am Mittwoch nichts mehr halfen, könnten sie im Laufe der Serie noch eine Rolle spielen. „Es war wichtig, dass Robert Müller nicht zu null gespielt hat und sich gegen uns in einen Rausch steigert“, sagte Stefan Ustorf. Die Hoffnungen des Titelverteidigers, heute nicht schon mit 0:2 Spielen in Rückstand zu geraten, beruhen vor allem darauf, dass er direkt an das letzte Drittel aus dem ersten Spiel anknüpfen kann.

Zeit, die Niederlage im Einzelnen zu analysieren, bleibt sowieso nicht. „Wir müssen nicht reden, sondern handeln“, sagt Pierre Page. „Am Freitag wird die Mannschaft da sein.“

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