Sport : Schneller Riese

Die Sprintqualität des US-Amerikaners Sharrod Ford bringt Alba Berlin ins Play-off-Halbfinale

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Die Mutter von Sharrod Ford ist gut ausgerüstet. Sie packt ihre Handtasche aus und legt nacheinander eine überdimensionale Tröte, eine Ratsche und schließlich eine Art Flüstertüte aus Pappe auf den Tisch. „Ich darf sie nicht benutzen“, sagt Wendy Mc Dowell und zeigt auf die Tröte. „Das hat mir Sharrod verboten. Die sei zu laut für die gesetzten Leute in meinem Block, sagt er.“ Um ihren Sohn in den Play-offs spielen zu sehen, ist sie aus Washington D. C. nach Berlin gekommen. Die Reise hat sich gelohnt: Beim Sieg über die Baskets Oldenburg am Donnerstag brachte Ford seine bislang beste Leistung für Alba, er erzielte 16 Punkte und holte acht Rebounds. Auch deshalb erreichte seine Mannschaft das Halbfinale gegen Bremerhaven. Das erste Spiel der nach dem Modus „Best of five“ ausgetragenen Serie findet am Sonntag um 18 Uhr in der Max-Schmeling-Halle statt.

Die fünfte und entscheidende Begegnung mit Oldenburg war genau zugeschnitten auf den US-Amerikaner Ford. Albas Center Jovo Stanojevic kassierte früh im Spiel sein drittes Foul und wurde deshalb ausgewechselt. „Es ist gut zu wissen, dass wir Spieler auf der Bank haben, die das kompensieren können“, sagte Trainer Henrik Rödl. Genau für solche Fälle hatten die Berliner den 2,06 Meter großen Ford Ende Februar verpflichtet. „Wir hatten ihn schon länger beobachtet“, sagt Albas Manager Marco Baldi. Ford spielte vor Alba in einem Farmteam der nordamerikanischen Profiliga NBA, den Fayetteville Patriots.

Ford habe Qualitäten, die dem Team vorher gefehlt hätten, sagt Baldi. „Er ist ungewöhnlich schnell für seine Körpergröße, das ist vor allem in der Verteidigung wichtig.“ Quadre Lollis sei der einzige Spieler, der ähnlich schnelle Bewegungen in der Abwehr ausführen kann, „aber eben nicht in dieser Höhe“. Lollis ist genau zwei Meter groß. Mit Ford und Lollis auf dem Feld, aber ohne Stanojevic, wird das ohnehin zügige Spiel der Berliner noch rasanter. Gegen Oldenburg schloss Ford zwei Mal einen so genannten Fastbreak ab, einen Konterangriff. Der 24-Jährige war schneller als alle anderen über das Parkett gespurtet.

Auch Ford glaubt, dass er „sehr gut in das System“ von Alba passt. Unter anderem deshalb ließ er sich im Februar auf den Wechsel ein. „Ein paar Mitspieler haben mir erzählt, dass manche Klubs in Europa nicht pünktlich zahlen, deshalb war ich zunächst skeptisch. Aber das ist hier zum Glück nicht so.“ Integrationsprobleme hatte Ford nicht, obwohl er vier Monate nach dem Beginn der Saison gekommen war. „Ich verstehe mich mit fast jedem Menschen auf Anhieb gut“, sagt er. In der nächsten Saison würde er am liebsten wieder in der NBA spielen, im vergangenen Jahr stand er kurzzeitig bei den Phoenix Suns unter Vertrag.

Seine Mutter würde es gern sehen, wenn er in der nächsten Saison wieder für Alba Berlin spielen würde. „Hier sind die Menschen offen für Neues“, sagt sie. Was ihr an Berlin aber am meisten gefällt, ist die Fankultur. „So etwas gibt es in den USA nicht, hier kann ich meine Begeisterung richtig ausleben“, sagt sie. Nur auf die Tröte muss sie verzichten.

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