Sport : Schnelles Eis

WM der Rekorde erwartet

Matthias Bartsch

So schnell wie Jeremy Wotherspoon flitzte noch kein Mensch über das Eis. Diesen Eindruck hatten für einem Moment in der Eislaufhalle im Sportforum die Zuschauer. Unter 34 Sekunden sollte der Kanadier Jeremy Wotherspoon laut Anzeigetafel über die 500 Meter gelaufen sein. Eine Fehlmeldung, die Zeit wurde mit Hilfe der handgestoppten Zeit auf 35,12 Sekunden korrigiert. Die Lichtschranke hatte gestreikt. Immerhin, die korrigierte Zeit bescherte dem Kanadier einen neuen Bahnrekord, den er im zweiten Lauf mit 34,85 Sekunden noch unterbot und damit in der Addition vor dem fünfmaligen Weltmeister Hiroyasu Shimizu (Japan) den Titel holte.

An diesem Wochenende werden wohl weitere Athleten dem Beispiel Wotherspoons folgen, denn das Eis im Sportforum ist in hervorragendem Zustand, wie Trainer und Sportler urteilen. Trotzdem ist der Job für die Eismeister hart in diesen Tagen. Der Besucherandrang bereitet ihnen Kopfzerbrechen. Jeden Tag ist die Arena mit 4000 Besuchern ausverkauft, lediglich 200 Karten werden täglich an der Kasse angeboten. „Unter diesen Umständen für optimale Verhältnisse zu sorgen, ist eine Herausforderung“, sagt Ottmar Tritte, Chef der Eishalle. Besonders die Luftfeuchtigkeit in der Arena bereitet den Eismeistern Probleme, mit Hilfe einer Klimaanlage muss die Luftfeuchtigkeit auf 40 Prozent gesenkt werden. Joachim Franke, der Trainer von Claudia Pechstein, kann sich an andere Zeiten erinnern: „In der DDR war das hier eine so genannte Kalthalle ohne Beheizung und mit einer Luftfeuchtigkeit von manchmal über 90 Prozent.“ Deshalb glaubt Franke auch, dass viele Bahnrekorde bei der WM fallen werden.

Optimale Bedingungen

Doch nicht nur die niedrige Luftfeuchtigkeit ist mitentscheidend für schnelle Zeiten. Die Temperatur in der riesigen Halle, die in den vergangenen Wochen modernisiert wurde, beträgt fast schon 16 Grad. Die Wände sind jetzt mit Holz verkleidet, die Fugen an Fenstern und Hallendach abgedichtet. Dazu achten die Organisatoren penibel auf eine einheitliche Eistemperatur: minus 5 Grad für die Langstreckler und minus 4,5 Grad für die Sprinter. Für die kurzen Strecken sollte das Eis etwas härter sein, damit sich die Läufer mit den Kufen besser abdrücken können.

Aufgrund der optimalen Voraussetzungen im Sportforum könnten sämtliche Bahnrekorde am Sonntag der Vergangenheit angehören. Dass ein Athlet zum Weltrekord sprintet, ist aber unwahrscheinlich. Die Vorteile der Arenen von Calgary und Salt Lake City können die Berliner nicht völlig ausgleichen. Denn die beiden nordamerikanischen Olympiastädte liegen mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Und in dieser Höhe sind Sportler generell zu besseren Leistungen im Stande.

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