Sport : Schnelles Ingolstadt

Was der Tabellenführer den Eisbären voraushat

Claus Vetter

Berlin - Ron Kennedy war am Freitag „ziemlich stolz“. Nicht zu Unrecht, schließlich hatte der Trainer des ERC Ingolstadt mit seiner Mannschaft mit dem 6:1-Heimsieg gegen die Düsseldorfer EG in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) den ersten Tabellenplatz gefestigt. „Das haben wir uns auch verdient“, sagte Kennedy. Der Sieg gegen die DEG war zur Ingolstädter Rehabilitierung nötig, schließlich hatten sich die Bayern am Dienstag zu einem peinlichen 0:10 in Köln geprügelt. Dass es drei Tage später ohne vier gesperrte Profis aus dem Köln-Spiel zu einem glänzenden Spiel gegen Düsseldorf reichte, verlangt aber Respekt.

Mit Respekt wurde den Ingolstädtern in fünf Jahren DEL nicht immer begegnet. Titelfavorit waren die Bayern zum Beispiel noch nie. Der Grund ist einfach, der ERC hat zuletzt drei Mal nach überzeugenden Hauptrundenauftritten in den Play-offs enttäuscht. Vergangene Saison war bereits im Viertelfinale Schluss. Dabei haben die Oberbayern aber schon einen Titel gewonnen: Noch heute schwärmt Manager Stefan Wagner vom tollen Empfang, der den Spielern um ihren damaligen Star Marco Sturm 2004 im Rathaus nach dem Finalsieg im deutschen Pokal zuteil wurde. Allerdings ist in der Audi-Stadt Ingolstadt die sportliche Konkurrenz des ERC auch überschaubar.

Trotzdem, die Bayern spielen attraktives, schnelles Eishockey. Und das sei „kein Produkt des Zufalls“, sagt Kennedy. „Dahinter steckt sehr viel Arbeit.“ Über Jahre habe man das Team aufgebaut. Dabei hat Kennedy, der im Dezember 1997 als Trainer bei den Berliner Eisbären von Peter John Lee abgelöst wurde, trotz der Rückschläge in den Play-offs ungestört weiter aufbauen dürfen. Kennedys Vertrag wurde nun bis 2008 verlängert.

In Ingolstadt läuft es zurzeit so, wie es lange Jahre in Berlin lief, die Eisbären sind nun aber das Gegenteil von Ingolstadt: Trainer Pierre Pagé will keinen neuen Vertrag unterschreiben und vom attraktiven und erfolgreichen Spielstil ist nicht nur der erfolgreiche Teil auf der Strecke geblieben. Immerhin, Freitag langte es zu einem 4:3 nach Verlängerung in Krefeld. Manager Peter John Lee war aber unzufrieden. „Da läuft der Rechtsverteidiger nach vorn, wenn der Linksverteidiger hinter dem gegnerischen Tor ist – das ist gegen die Gesetzmäßigkeiten des Eishockeys.“ Aber das Ergebnis stimmte. „Nun sollten wir gegen Ingolstadt nachlegen.“ Das aber wird schwer für die Eisbären heute im Sportforum (14.30 Uhr, live auf Premiere). Bei einer Niederlage – 1:3 und 1:4 lauteten ihre ersten Saisonresultate gegen den ERC – bliebe den Berlinern der Trost, dass Ingolstadt nach Meinung vieler nicht Meister wird. Lee kann dem nichts abgewinnen: „Wenn ich sagen würde, dass Ingolstadt nicht Meister wird, würde das bescheuert klingen.“ Stimmt. Immerhin liegen zwischen Ingolstadt und Berlin acht Tabellenplätze.

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