Sport : Schnörkelloser Trickser

Der 21-jährige Johannes Sellin von den Füchsen hat sich in die Handball-Nationalmannschaft gespielt.

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Jung, aber abgeklärt. Gegen Göppingen hat Johannes Sellin am Sonntag das Tor zum 30:30-Endstand erzielt. Foto: dapd Foto: dapd
Jung, aber abgeklärt. Gegen Göppingen hat Johannes Sellin am Sonntag das Tor zum 30:30-Endstand erzielt. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Zum Glück für die Füchse hatte sich Johannes Sellin für den richtigen Wurf entschieden. „In so einer Situation kannst du einfach keinen Dreher oder etwas in dieser Art versuchen. Der Ball muss mit aller Konsequenz ins Tor“, sagt der Rechtsaußen zu seinem Treffer in letzter Sekunde, der den Berlinern am frühen Sonntagabend noch das 30:30 gegen Frisch Auf Göppingen brachte. Und damit einen Punkt, der auf dem Weg zu einem Europacupplatz in der kommenden Saison in der Handball-Bundesliga noch eminent wichtig werden könnte. „Wäre diese Chance von mir leichtfertig vergeben worden, hätte ich mich doch hinterher einbuddeln können“, meint Sellin, sagt aber auch: „Natürlich kann ich ein paar von diesen Trickwürfen.“

Mit seinen gerade mal 21 Jahren beweist Sellin damit bereits eine Reife, die er nicht erst an diesem 22. Spieltag mit fünf Toren in der zweiten Halbzeit und eben dieser punktbringenden Aktion in der Schlusssekunde unter Beweis gestellt hat. Auch Bundestrainer Martin Heuberger hat den Namen Sellin dick in seinem Notizbuch unterstrichen. „Er hat mich angerufen und mich zum Lehrgang der Nationalmannschaft für das Island-Länderspiel eingeladen“, erzählt Sellin.

Der Linkshänder war mit Heuberger als Coach bereits Juniorenweltmeister. „Er wollte mir das unbedingt selbst sagen, weil es ja das erste Mal im A-Team sein wird, dass ich dabei bin“, sagt das aus der Füchse-Jugend hervorgegangene Talent. So richtig aufgeregt sei er deswegen aber noch nicht, denn erst müsse ja noch am Dienstag das Bundesligaspiel bei TuS N-Lübbecke (20.15 Uhr, live bei Sport1) absolviert werden. „Dann kommt das schon noch mit der Nervosität“, sagt Sellin.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning sieht in dem jungen Spieler, der einst von der Insel Usedom nach Berlin kam und einen Vertrag bis 2014 hat, die Verwirklichung seiner Philosophie. „Wir stecken enorm viel in unseren Nachwuchs und erhoffen uns natürlich davon, in der Bundesliga profitieren zu können“, sagt Hanning. Dabei muss sich Johannes Sellin immer noch täglich bei den Füchsen durchsetzen. Mit Markus Richwien hat er einen starken Konkurrenten im Kampf um die Außenposition, den Heuberger ebenfalls noch für die Nationalmannschaft im Blick hat.

Beide Spieler treiben sich gegenseitig nach vorn. Gegen Göppingen saß Richwien auf der Tribüne hinter der Wechselbank, aber das kann schon im nächsten Spiel wieder andersherum sein. „Das ist natürlich für mich eine gute Situation, über Rechtsaußen muss ich mir kaum Sorgen machen“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, der diese Konstellation auf Halbrechts auch gern hätte.

Nach dem Ausfall von Alexander Petersson, der zwar vor dem Spiel gegen Frisch Auf an der Erwärmung teilnahm, dann aber keine Sekunde eingesetzt wurde, liegt die ganze Last bei Mark Bult. Der Holländer ist mit dieser Aufgabe über weite Strecken in Abwehr und Angriff überfordert. Aber manchmal gelingt ihm dann doch ein wichtiger Treffer oder ein entscheidender Pass. Zum Beispiel der in der letzten Spielszene gegen Göppingen auf Johannes Sellin, der ihn souverän zum 30:30 verwertete. Ohne Schnörkel, schon wie ein ganz großer Handballer.

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