Sport : Schnupperkurs im Tennisklub

Philipp Köster

Junge Väter neigen dazu, sich ständig Sorgen um die Kinder zu machen.

Der Sohn hustet? Sicher eine eitrige Lungenentzündung! Erhöhte Temperatur bei der Tochter? Rasch, Mutti, hol den Notarztwagen!

Mehr noch als eingebildete Krankheiten treibt Väter bereits kurz nach der Geburt männlicher Nachkommen eine ebenso panische wie chauvinistische Angst um, die sich in den folgenden Jahren bisweilen zur psychiatrischen Neurose auswächst: Die Angst nämlich, dass sich der Sohn womöglich für den falschen Sport entscheidet und nicht mit sieben Jahren um die Aufnahme in den Fußballklub bettelt, sondern Schnupperkurse beim örtlichen Tennisverein belegt oder Stadtteilmeister im Minigolf wird. Schließlich wollen wir unsere Wochenenden künftig auf dem Fußballplatz verbringen und nicht in muffigen Tennishallen.

Womit wir bereits bei meinem aktuellen Problem wären: Konrad, mein älterer Sohn, ist vor kurzem drei Jahre alt geworden. Eigentlich noch kein Alter, in dem man die Weichen für den Leistungssport stellen müsste, außer man heißt Peter Graf. Nun aber flatterte mir eine Werbeschrift des „FC Berlin 23“ ins Haus, in der ein Fußballkurs schon für 4- bis 6-Jährige angeboten wird. In einem Jahr könnte ich Konrad also die ersten Stollenschuhe kaufen. Eigentlich ein verlockendes Angebot: Die Kinder werden nicht mit Trillerpfeife um den Platz gescheucht und anschließend am Kopfballpendel mit Medizinbällen malträtiert. Stattdessen: Fröhliches Gerenne hinter dem Ball her. Was aber, wenn Konrad gleich beim ersten Training einen Ball ins Gesicht bekommt oder nur auf der Bank hockt und deshalb von Fußball nichts mehr wissen will? Ach, viel zu riskant, der Sohn bleibt erstmal noch zu Hause. Und am Sonntag geht’s zum Minigolf. Da kann Konrad gerne seine ersten sportlichen Enttäuschungen sammeln.

schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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