Sport : Schock auf dem Centre Court

Titelverteidiger Lleyton Hewitt scheitert in Wimbledon bereits in Runde eins

Benedikt Voigt

London/Berlin . Es war beeindruckend, wie souverän Lleyton Hewitt spielte. Nur einmal sah es nach einer Niederlage aus, ansonsten besiegte der australische Tennisprofi seine Gegner ohne größere Schwierigkeiten. Die Experten schwärmten bereits über Lleyton Hewitt. „Es ist unwahrscheinlich, dass dies sein letzter Titel in Wimbledon ist“, schrieb die „Times“. Und Boris Becker sagte: „Es gibt keinen Grund, warum er diesen Titel nicht fünfmal gewinnen kann.“ Das war im vergangenen Jahr.

In diesem Jahr gelang Lleyton Hewitt wieder eine Überraschung in Wimbledon – allerdings eine negative. Der Titelverteidiger aus Australien schied bereits in der ersten Runde gegen den unbekannten Kroaten Ivo Karlovic aus. Hewitt, der in Wimbledon auf Rang eins gesetzt ist, verlor nach zwei Stunden und 24 Minuten gegen den Qualifikanten 6:1, 6:7, 3:6, 4:6. Es war das erste Aus eines Titelverteidigers in Wimbledon in der seit 1968 währenden Open-Ära. Und in der gesamten 117-jährigen Geschichte Wimbledons gab es diesen Fall erst einmal: 1967. „Das ist ein Schock“, sagte der TV-Kommentator John McEnroe. „Ich hätte in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet, dass hier auf dem Centre Court ein Qualifikant den Champion schlägt.“

Der 2,08 Meter große Karlovic überraschte alle. Auch sich selbst. Bei der anschließenden Pressekonferenz rang der schüchterne Riese, der einen kleinen Sprachfehler hat, um Worte. „Am Anfang hatte ich Angst“, sagte Karlovic, „aber im dritten Satz wurde mir klar, dass ich das Match gewinnen kann.“ Hewitt zog sich die Baseballmütze tief ins Gesicht. Dann sagte er: „Ich bin jetzt einfach nur enttäuscht. Wenn ich etwas klarer im Kopf bin, muss ich herausfinden, was schief gelaufen ist.“

Zum Beispiel könnte er seine Saisonplanung noch einmal überdenken. In diesem Jahr fehlte ihm durchaus auch Spielpraxis. Nach seinem Aus im Achtelfinale der Australian Open legte Hewitt erst einmal eine längere Pause ein. Bei den German Open in Berlin begleitete er seine Freundin Kim Clijsters und trainierte nebenan auf der Tennisanlage von Blau-Weiß Berlin. Als der dominierende Tennisspieler des vergangenen Jahres bei den French Open bereits in der dritten Runde ausschied, blieb er ebenfalls noch in Paris, um seiner belgischen Freundin zuzusehen, die bis ins Finale des Turniers kam. Vor Wimbledon gab Hewitt seinen Weltranglistenplatz Nummer eins an Andre Agassi ab. Und im aktuellen Champions Race belegt der Australier aufgrund der wenigen gespielten Turniere lediglich Rang zwölf. Viel schlechter aber rangiert Ivo Karlovic. Die Weltrangliste führt ihn auf Rang 203.

Hewitt, der sich seine Haare kurz rasiert hat, knüpfte nur im ersten Satz an die Leistungen des vergangenen Jahres an, als er das Finale gegen den Argentinier David Nalbandian in drei Sätzen souverän gewann. Doch diesmal beeindruckte in den nächsten drei Sätzen der Kroate die Zuschauer auf dem Centre Court mit seinen wuchtigen Aufschlägen. 18 Asse gelangen Karlovic.

So mancher fühlte sich an dessen Landsmann Goran Ivanisevic erinnert, der vor zwei Jahren in Wimbledon gewann. In diesem Jahr aber musste der Kroate wegen einer Verletzung passen. Es könnte sein, dass er in Karlovic einen würdigen Nachfolger bekommt. Spätestens als der 24-Jährige den Tie-Break des zweiten Satzes mit 7:5 gewonnen hatte, hatte er das Match gegen den großen Favoriten gewendet. Danach blieb er fast fehlerlos. „Goran Ivanisevic war immer mein Idol.“ Im nächsten Match gegen den Australier Paul Bacanello kann er zeigen, dass er auch die Konstanz seines großen Vorbilds besitzt.

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