Sport : Schockierende Angelegenheit

Alba Berlin verliert beim 81:95 gegen Sevilla zum fünfen Mal in Folge

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Gefahr von hinten. Albas Immanuel McElroy lässt sich von Sevillas Bullock entscheidend stören. Die Berliner waren ihrem Gegner meistens unterlegen. Foto: Thiemo Napierski Foto: Thiemo Napierski
Gefahr von hinten. Albas Immanuel McElroy lässt sich von Sevillas Bullock entscheidend stören. Die Berliner waren ihrem Gegner...Foto: Thiemo Napierski

Er hätte den Ball vielleicht besser behalten. Als bei Alba Berlins Eurocup-Heimspiel gegen BC Sevilla im zweiten Viertel der Ball bei einem der 8832 Zuschauer landete, konnte er ihn gar nicht so schnell zum Einwurf zurückgeben, wie Julius Jenkins ihn schon wieder verloren hatte. Die 81:95 (37:62)-Niederlage gegen Sevilla war über weite Strecke eine schockierende Angelegenheit, vor allem in den ersten 20 Minuten. „Es ist eine Schande, dass wir in der ersten Halbzeit so gespielt haben“, sagte Derrick Allen, der einzige Spieler, der Worte fand. Trainer Muli Katzurin sprach von einem „schrecklichen Spiel“ zu Anfang, „aber ich habe meinen Spielern in der Kabine gesagt, sie sollen das Positive aus der zweiten Halbzeit mit ins nächste Spiel nehmen“. Doch nach der fünften Niederlage in 15 Tagen und einer Bilanz von 1:3 Siegen in der Eurocup-Gruppe L braucht Alba in einer Woche gegen Treviso nun unbedingt einen Sieg, um überhaupt noch Chancen auf das Viertelfinale zu haben. Bester Spieler bei den Berlinern, die erst im Schlussviertel aufdrehten, war noch Derrick Allen mit 21 Punkten.

Schon nach zweieinhalb Minuten führte der bisher ungeschlagene Gruppenerste Sevilla mit 9:0. Als Paul Davis den Ball zum 14:4 über die Köpfe der Alba-Abwehr in den Korb stopfte, nahm Katzurin eine Auszeit, aber das änderte nichts. Alba spielte in der Defensive so körperlos, wie Basketball nur in der Theorie sein sollte. Nach vorne war von Spielzügen wenig zu sehen, auf sinnfreie Dribblings oder planlose Passpassagen folgten wirre Würfe, aus der Not geboren. Sevilla hingegen spielte den Basketball, den Muli Katzurin gern mit Alba spielen würde: aggressiv in der Verteidigung, schnell im Angriff.

Mit einem 12:2-Lauf marschierten die Andalusier aus dem ersten Viertel, Alba lag 18:32 hinten, nach gerade einmal zehn Minuten. Berlin hatte vor dem Spiel vier Spiele in zwölf Tagen verloren, Sevilla hatte hingegen sechs Spiele in Serie gewonnen und eine Woche frei gehabt zur Vorbereitung. Das erklärte jedoch nicht den desaströsen Auftritt der Berliner, die sich in der ersten Halbzeit elf teils hanebüchene Ballverluste leisteten. Alba startete mit 3:10 ins zweite Viertel. Als Sevilla schon 39:20 führte, rief ein Fan „Und ihr verdient unser Geld!“, sein Sitznachbar stimmte zu: „Meins auch!“ Als Allen einen Pass aus zwei Metern nicht zu Immanuel McElroy brachte, pfiffen die Fans zum ersten Mal lauthals. Zur Halbzeit lag Berlin 37:62 zurück. Selbst beim desaströsen 52:103 in Bamberg im Dezember waren es nur 51 Gegenpunkte zur Halbzeit gewesen. „Mangelndes Selbstvertrauen erklärt 62 Gegenpunkte nicht, dass waren mangelnde Einstellung und Ausführung“, sagte Katzurin.

Das Team wollte dies so nicht auf sich sitzen lassen. Vor Beginn der zweiten Halbzeit stellten sich die Berliner im Kreis aufs Feld, Patrick Femerling und Allen richteten eindringliche Worte ans Team. Es zeigte Wirkung. Alba spielte nun etwas schneller und kam allmählich in Sichtweite zu Sevilla. Mit 9:4 Punkten starteten die Berliner ins dritte Viertel, kamen beim 63:80 auf immerhin 17 Punkte heran, nach dem Viertel stand es 64:85. Im Schlussviertel dann machte Alba alles gut, was die Mannschaft zumindest eine Halbzeit lang hatte vermissen lassen – mit Julius Jenkins als Spielmacher!

„Er hat einen besseren Job gemacht als unsere anderen beiden Point Guards“, sagte Katzurin. Alba startete mit einem 13:2-Lauf ins Schlussviertel, die Halle tobte. Sollte sich da ein Europapokalwunder anbahnen? Auf einmal waren es nur noch zehn Punkte Rückstand, 77:87. Doch in der Folge schaukelte Sevilla das Spiel nach Hause.

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