Sport : Schön den Ball flach halten

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Armin Lehmann über

den Realismus des Uli Hoeneß

Es soll ja jetzt alles besser werden im neuen Jahr. Und vielleicht würde es auch besser werden, wenn man sich ein wenig auf das Wesentliche besinnen könnte und weniger auf die ganz großen Sprüche und Ansprüche. Besinnen auf, sagen wir: mehr Substanz, solides Handwerk und ein bisschen Tradition. Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München, ist im allgemeinen Bild der Öffentlichkeit eher verdächtig für die großen Worte. Aber das war schon immer ein bisschen ungerecht, wie man gerade jetzt wieder lesen kann.

Hoeneß ist bauernschlau genug, um sich und den FC Bayern stets ins allerbeste Licht zu rücken. Aber er ist auch ein solider Handwerker, ein vorsichtiger Geschäftsmann und ein überzeugter Traditionalist. In einem Interview hat Hoeneß zwar gerade auch einen Börsengang seiner Bayern nicht ausgeschlossen, aber hinzugefügt: „Das ist auch gefährlich. Denn man gibt ja auch was weg – und plötzlich hast du nichts mehr zu versilbern.“ Natürlich war das ein geschicktes Stochern in der offenen Wunde des Konkurrenten Dortmund, wo sie gerade das Tafelsilber verscherbeln, noch mehr Schulden machen und vergessen haben, dass mit einem Fußballverein nicht gewirtschaftet werden kann wie mit einem beliebigen Unternehmen.

Hoeneß neigt eher nicht zu Tagträumen, und vielleicht sollte er seinen sympathischen Realismus auch dafür einsetzen, die Geldwünsche der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einzuordnen. Als wäre Dortmund nicht Warnung genug für grenzenlosen Wachstumswahn, glaubt die DFL nun, in Selbstregie sogar mehr Geld verdienen zu können als über den bisherigen Partner, die Sportrechte-Agentur Infront.

Vieles wird ganz bestimmt besser in diesem Jahr. Nur sollten die Berufsphantasten einfach mal Pause machen.

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