Sport : Schön erfolglos

Steffen Hudemann

über das neue Image des deutschen Fußballs Die Italiener gelten als gnadenlose Defensivspezialisten, die Schotten als leidenschaftliche, aber erfolglose Kämpfer, die Brasilianer als verspielte Künstler. Jeder großen Fußballnation werden gewisse Eigenschaften nachgesagt. Das schlechteste Image hatten immer die Deutschen. Im Ausland galten sie als humorlose Fußballroboter, ihre Spielweise als unattraktiv, und das Schlimmste daran war, dass die Deutschen am Ende meist auch noch gewannen. Es ist nur zweieinhalb Jahre her, dass sich dieses Bild bei der WM in Asien bestätigte, als Deutschland mit einer Mischung aus Losglück und Oliver Kahn bis ins Finale kam.

Insofern dürfte die Fußballwelt in dieser Woche aufgeatmet haben. Denn die Deutschen sind auf dem besten Wege, dieses Image abzulegen. Bremen und Stuttgart haben mit Spielern wie Borowski, Klose, Lahm oder Hinkel einen guten Teil der für die WM 2006 eingeplanten Spieler in ihren Reihen. Beide Teams spielen gut anzusehenden Offensivfußball, sahen sich im Europapokal aber effektiv und erfolgsorientiert konternden Gegnern aus Frankreich und Italien gegenüber. Die ließen ihnen keine Chance. Selbst die Nationalelf zeigte vor einigen Wochen gegen Argentinien so guten Fußball, wie man ihn von einer deutschen Auswahl lange nicht gesehen hat. Dennoch stand am Ende nur ein 2:2. Gestört hat das kaum jemanden. In Bremen applaudierten die Fans am Mittwoch ihrer Mannschaft, die 0:3 verloren hatte. Es sieht so aus, als sollten die Deutschen doch noch die Schönheit des Fußballs entdecken. Unabhängig vom Ergebnis.

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