Sport : Schön verloren

Nach gutem Spiel unterliegt die deutsche Nationalmannschaft im Freundschaftsspiel gegen Holland mit 1:3

Michael Rosentritt

Gelsenkirchen. So eine Rückkehr bringt Probleme. „Ich musste mir erst einmal ins Gedächtnis rufen, wie die Spieler heißen“, sagte Fredi Bobic. Viele neue Namen musste der Stürmer von Hannover 96 lernen, immerhin sind fünf Jahre vergangen, seit der 31-Jährige zuletzt für die deutsche Nationalmannschaft spielte. Doch nachdem Fredi Bobic die Gesichter seiner Kollegen einwandfrei zugeordnet hatte, tat er das, wofür ihn der deutsche Teamchef Rudi Völler zurückgeholt hatte: Er schoss ein Tor. Sein Treffer genügte der gut spielenden deutschen Mannschaft nicht, um Holland im Freundschaftspiel zu bezwingen. 1:3 (1:1) verlor das Team unglücklich vor 60 000 Zuschauern in der Arena Auf Schalke. Individuelle Abwehrfehler hatten zur Niederlage geführt. Torwart Oliver Kahn sagte: „Für den einen oder anderen war das ein gutes Spiel, um zu lernen.“

Bereits vorher hatte Völler gesagt, „dass das natürlich kein normales Länderspiel ist“. Wer wüsste nicht um die besondere Rivalität der beiden Länder auf dem Fußballplatz, die sich auf dem WM-Finale von München gründet? Auch wollte Holland, das in diesem Jahr noch kein Länderspiel verloren hatte, im Freundschaftsspiel gegen den Vizeweltmeister zeigen, dass die Nicht-Qualifikation für die WM 2002 ein einmaliges Versehen war. Völler plante, sein bestes Team aufzubieten, doch vor dem Spiel gab es Absagen von Christian Ziege, Dietmar Hamann und Carsten Ramelow. Doch es war das Glück des Fredi Bobic, dass auch Stürmer Carsten Jancker wegen einer Rippenprellung absagen musste. Bobic hatte sich mit acht Toren in der Bundesliga für einen Einsatz empfohlen.

In seinem 20. Länderspiel besaß der Angreifer von Hannover 96 nach acht Minuten die erste Torchance. Nach einer Flanke köpfte er den Ball aus sechs Metern knapp über das Tor. Bobic fand schnell seinen Platz in der Mannschaft, dabei hatte er früher lediglich mit Torwart Oliver Kahn und Jens Jeremies zusammen gespielt. In der Verteidigung hatten die beiden Spieler von Hertha BSC, Marko Rehmer und Arne Friedrich, Frank Kluivert und Roy Makaay im Griff. Sieht man mal von der 22. Minute ab.

Da gab es einen Freistoß für Holland, bei dem sich Patrick Kluivert geschickt im Strafraum gegen Rehmer durchsetzte. Im Fallen kam der Holländer gerade noch mit einem Fuß an den Ball und stupste ihn zum 0:1 ins Tor. Torwart Oliver Kahn hatte keine Chance. Es war eine überraschende Führung, zumal vor und nach dem Treffer nur die deutsche Mannschaft spielte. Nur konsequent war daher, dass dem deutschen Team in der 34. Minute der Ausgleich gelang. Nach einer Flanke von Bernd Schneider hatte Fredi Bobic einen tiefen Flugkopfball angesetzt. Der Ball prallte vom Pfosten zum 1:1 ins Tor. Es war erst Bobics dritter Treffer im Nationaltrikot.

DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer, sonst ein gefürchteter Kritiker, lobte die deutsche Mannschaft zur Halbzeit. „Das Ergebnis ist für die Holländer ein bisschen schmeichelhaft.“ Beide Trainer hatten bereits vor dem Spiel zahlreiche Wechselmöglichkeiten abgesprochen. Völler musste das auch nutzen, denn Klose musste mit einem blauen Auge auf der Bank bleiben, und auch Jeremies hatte sich verletzt. Es kamen nach der Pause Paul Freier und Sebastian Kehl.

Es sollte ein folgenreicher Wechsel sein. Paul Freier fiel sofort mit einem klugen Pass auf Bobic auf, der im Strafraum zu Fall kam, aber keinen Elfmeter erhielt. Und Sebastian Kehl machte in der 68. Minute einen schweren Fehler. Im Mittelfeld vertändelte er den Ball. Mit einem Pass setzten die Holländer Floyd Hasselbaink ein, der erst vier Minuten zuvor ins Spiel gekommen war. Und erneut hatte Kahn keine Chance: 1:2.

Das war erstaunlich, denn die Deutschen spielten besser. Doch glücklicher, routinierter waren die Holländer. Ruud van Nistelrooy erhöhte in der 79. Minute auf 1:3. Es war der dritte Schuss auf das deutsche Tor. „Das sind alles Weltklassestürmer“, sagte Kahn, „jeder Fehler wird sofort bestraft.“

Viele deutsche Fans hatten die Holländer aufgrund der verpassten WM-Qualifikation verhöhnt. „Ohne Holland fahren wir zur WM“, hatten sie im Sommer gesungen. Nun war es an den Holländern, Häme zu verbreiten. Minuten vor dem Schlusspfiff sangen sie: „Schade Deutschland, alles ist vorbei.“

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