Sport : Schön verloren

Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft unterliegt Italien in Stuttgart unglücklich mit 0:1

Michael Rosentritt

Stuttgart. Der Auftritt war solide, nach der Pause sogar recht ansehnlich. Trotzdem gab es Verdruss. Da verweigerte Schiedsrichter Kim Milton Nielsen aus Dänemark der deutschen Nationalelf eine Viertelstunde vor Schluss einen klaren Elfmeter. Der eingewechselte Mirolsav Klose war vom Turiner Legrottaglie im Strafraum zu Fall gebracht worden, erhielt aber keinen Strafstoß zugesprochen, sondern die Gelbe Karte. Eine Fehlentscheidung, die Deutschlands Fußball-Nationalelf im Länderspiel gegen Italien möglicherweise um ein aufgrund der zweiten Halbzeit durchaus verdientes Unentschieden brachte. Italien siegte vor 50 328 Zuschauern im ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion von Stuttgart mit 1:0 (1:0). Und Deutschland wartet nun seit Oktober 2000 darauf, mal wieder einen Großen des Weltfußballs zu bezwingen. Seinerzeit gab es im Wembleystadion einen 1:0-Sieg gegen England.

Das frühe Tor der Italiener geriet fast zu einem kleinen Kunstwerk. Kein Tackling half dagegen, keine Grätsche. Selbst die Maßnahme eines taktischen Fouls, wie diese Unsportlichkeit oft etwas schönfärberisch umschrieben wird, war nicht anwendbar. Zu schnell kombinierten die Italiener. Alessandro del Piero hatte die Situation mit einem schnellen Antritt über die linke Seite eingefädelt, passte zu Christian Vieri. Der wiederum leitete den Ball blitzschnell weiter zu Francesco Totti – und ehe in der deutschen Abwehr jemand wusste, wer in diesem Wirbel nun noch wen zu beschatten hatte, war im Strafraum wieder Vieri am Ball und versenkte ihn unhaltbar für Torwart Oliver Kahn. Eine Traumkombination.

Bis zu diesem Tor hatten die stark ersatzgeschwächten Deutschen, unter anderem ohne die verletzten Ballack, Deisler, Friedrich, Metzelder und Frings, ganz ordentlich gegengehalten. Paul Freier, in der Not als Rechtsfuß auf der linken Seite eingesetzt, und Bernd Schneider rackerten im Mittelfeld fleißig, suchten immer wieder Lücken, um die beiden Spitzen Neuville und Bobic in günstige Schussposition zu bringen. Aber Italiens Abwehr verschaffte sich in den Zweikämpfen anfangs mit einigen rüden Attacken den nötigen Respekt, ließ es dann später etwas sanfter angehen.

Die Italiener, bei denen die Saison noch gar nicht begonnen hat, schossen sogar noch ein zweites Tor: Wieder schoben sich Totti, Vieri und Del Piero den Ball wie im Training zu. Del Piero von Juventus Turin traf, doch Schiedsrichter Nielsen sah an der Seitenlinie seinen Assistenten mit der Fahne winken. Abseits, signalisierte der Mann. Auch das war eine höchst umstrittene Entscheidung.

DFB-Teamchef Rudi Völler wechselte zur Pause aus. Marko Rehmer kam für Wörns, Sebastian Kehl für Carsten Ramelow. Nach einer knappen Stunde ging auch noch Fredi Bobic vom Feld. Der neue Stürmer von Hertha BSC hatte kaum vernünftige Aktionen zustandegebracht. Der für ihn eingewechselte Miroslav Klose hatte dagegen gleich einen spektakulären Auftritt. Gerade mal 80 Sekunden im Spiel spitzelte Klose einen Ball aus zwölf Metern an dem ihm entgegen geeilten italienischen Torhüter Buffon vorbei, doch wenige Zentimeter, bevor der Ball über die Torlinie rollte, war Verteidiger Panucci zur Stelle und verhinderte mit letztem Einsatz den Ausgleich.

Die deutsche Elf wurde danach stärker. Auch deshalb, weil Klose mehr Schwung in den Angriff brachte. Aber da zeigten die Italiener, dass sie nach wie vor auch solide Abwehrarbeit verrichten. Und Glück hatten sie obendrein. Da krachte ein Schuss von Jens Jeremies gegen die Latte des italienischen Tores, drei Minuten später geschah das elfmeterwürdige, aber ungeahndete Foul an Klose. „Wir haben völlig unverdient verloren“, beklagte sich Torwart Oliver Kahn nachher.

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