Sport : Schön war die Zeit

Sie haben gewonnen, was es zu gewinnen gibt, jetzt verlassen sie die Bundesliga: Thomas Häßler, Andreas Möller, Mario Basler, Krassimir Balakow, Stefan Effenberg und Ulf Kirsten

Stefan Hermanns

Wenn heute gegen 17.15 Uhr die Bundesligasaison abgepfiffen wird, werden auch die Karrieren einiger großer Fußballer zu Ende gehen. Thomas Häßler, Andreas Möller, Krassimir Balakow und – zum zweiten Mal – Ulf Kirsten hören ganz auf, Mario Basler und Stefan Effenberg lassen ihre Laufbahn im Scheichtum Katar ausblenden, was in etwa das Gleiche ist wie aufhören.

Thomas Häßler, 1860 München, 36 Jahre, 399 Bundesligaspiele (68 Tore), 101 Länderspiele, Weltmeister 1990, Europameister 1996, Olympia-Bronze 1988

Warum wir ihn vermissen werden? Thomas Häßler, 1,66 Meter, ist der letzte lebende Beweis, dass Größe nicht entscheidend ist.

Warum es Zeit ist aufzuhören? Weil es beim Fußball auch in absehbarer Zeit nicht erlaubt sein wird, Spieler nur zur Ausführung eines Freistoßes einzuwechseln.

Seine größte Leistung: Daran zu glauben, dass der von ihm vermarkteten Musikrichtung Melodic Rock die Zukunft gehört.

Sein bester Spruch: „Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.“

Andreas Möller, Schalke 04, 35 Jahre, 417 Bundesligaspiele (110 Tore), 85 Länderspiele, Weltmeister 1990, Europameister 1996, Uefa-Cup-Sieger 1993, Deutscher Meister 1995 und ’96, Champions-League-Sieger 1997, DFB-Pokalsieger 1989, 2001 und ’02

Warum wir ihn vermissen werden? Tja, warum wir ihn vermissen werden? Also… Mmh… Ähem…

Warum es Zeit ist aufzuhören? Andreas Möller ist lange keine ordentliche Schwalbe mehr geglückt.

Seine größte Leistung: In der Öffentlichkeit als Weltmeister zu gelten, obwohl er bei der WM 1990 in Italien ganze 22 Minuten gespielt hat.

Sein bester Spruch: „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“

Mario Basler, 1. FC Kaiserslautern, 34 Jahre, 261 Bundesligaspiele (62 Tore), 30 Länderspiele, Europameister 1996, Deutscher Meister 1997 und ’98, DFB-Pokalsieger 1994 und ’98

Warum wir ihn vermissen werden? Weil Mario Basler der beste Beleg dafür ist, dass man es auch mit der Haltung eines Freizeitfußballers (Bier und Zigaretten) weit bringen kann.

Warum es Zeit ist aufzuhören? Damit wir uns nicht mehr ständig fragen müssen, warum wir mit der Haltung eines Freizeitfußballers nicht das geschafft haben, was Basler geschafft hat.

Seine größte Leistung: Sich im Champions-League-Finale 1999 beim Stand von 1:0 für die Bayern auswechseln zu lassen.

Sein bester Spruch: „Ich lerne nicht extra Deutsch für die Spieler, wo unsere Sprache nicht beherrschen.“

Krassimir Balakow, VfB Stuttgart, 37 Jahre, 235 Bundesligaspiele (53 Tore), 85 Länderspiele für Bulgarien, DFB-Pokalsieger 1997

Warum wir ihn vermissen werden? Weil wir gerne erlebt hätten, wie Balakow beim VfB auch als 48-Jähriger noch drei Millionen Euro pro Jahr verdient – dank ärztlichem Attest und dem Verhandlungsgeschick von Gerhard Mayer-Vorfelder.

Warum es Zeit ist aufzuhören? Weil Aliaksandr Hleb irgendwann zu alt ist, um immer noch als Nachfolger Balakows geführt zu werden.

Seine größte Leistung: Den damaligen VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder (MV) bei den Vertragsverhandlungen richtig über den Tisch gezogen zu haben.

Sein bester Spruch: „MV hat tiefen Eindruck auf mich gemacht.“

Stefan Effenberg, VfL Wolfsburg, 34 Jahre, 370 Bundesligaspiele (71 Tore), 35 Länderspiele (fünf Tore), DFB-Pokalsieger 1995 und 2000, Deutscher Meister 1999, 2000 und 2001, Champions-League-Sieger 2001

Warum wir ihn vermissen werden? Weil wir in Teil zwei seiner Autobiographie etwas über Jürgen Röber gelesen hätten.

Warum es Zeit ist aufzuhören? Weil ihm irgendwann niemand mehr abnimmt, dass etliche europäische Spitzenvereine an seiner Verpflichtung interessiert sind – und es dann doch nur der VfL Wolfsburg wird.

Seine größte Leistung: Zweimal von Borussia Mönchengladbach zu den Bayern zu wechseln, und trotzdem noch von den Gladbach-Fans gefeiert zu werden.

Sein bester Spruch: „Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch.“

Ulf Kirsten, Bayer Leverkusen, 37 Jahre, 350 Bundesligaspiele (181 Tore), 100 Länderspiele (49 für die DDR, 51 für die Bundesrepublik), DDR-Meister 1989 und ’90, DDR-Pokalsieger 1984, ’85 und ’90, DFB-Pokalsieger 1993

Warum wir ihn vermissen werden? Weil Kirsten auf dem Platz und auch daneben immer eine so ausgesucht sympathische Erscheinung war.

Warum es Zeit ist aufzuhören? Weil Kirsten auch in den nächsten hundert Jahren wohl nicht mehr Deutscher Meister werden wird. Zumindest nicht in Leverkusen.

Seine größte Leistung: Bester Torschütze der Neunzigerjahre. Einmal Deutscher Meister wäre ihm wahrscheinlicher lieber gewesen.

Sein bester Spruch: „Wenn bei einem Auswärtsspiel keiner ruft: ,Kirsten, Du Arschloch!’, dann weiß ich genau, dass ich schlecht bin.“

Die Bilder haben wir Panini-Sammelalben aus dem Jahr 1990 entnommen.

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