Sport : Schöne Aussichten

Hertha BSC fliegt heute ins Trainingslager nach Gran Canaria

Stefan Hermanns

Berlin. Die Aussichten für Hertha BSC sind nicht schlecht. Die Regenwahrscheinlichkeit auf Gran Canaria beträgt in den nächsten Tagen zwei Prozent, die Temperaturen sollen auf 22 Grad Celsius steigen, und das Hotel in Maspalomas, in dem die Fußballer des Berliner Bundesligisten von heute an für zehn Tage untergebracht sind, bietet viele Annehmlichkeiten. Es liegt inmitten eines subtropischen Gartens, und bis zum fast drei Kilometer langen Sandstrand in den Dünen sind es nur ein paar Schritte. Es könnte so schön sein für Herthas Fußballer, wenn die Situation für den Vorletzten der Bundesliga nicht so ernst wäre.

Hans Meyer, der neue Trainer, hat in dieser Woche gefragt, ob Gran Canaria denn die Insel mit dem berüchtigten Ballermann sei. Nicht, dass es ihn wirklich interessierte. Gran Canaria mag seinen Urlaubern viele Möglichkeiten zur Abendgestaltung bieten. Für Herthas Spieler bestehen sie allenfalls in der Theorie. Schon morgen Abend spielt die Mannschaft gegen Sparta Prag (20.30 Uhr). Insgesamt bestreitet Hertha in den zehn Tagen auf der Insel drei Testspiele.

Alle 28 Spieler aus Herthas Profikader fliegen heute Morgen von Schönefeld aus in die Sonne. „Wir fahren geschlossen“, sagt Hans Meyer. Neben Marko Rehmer, der am Freitagabend Vater geworden ist, wird auch Thorben Marx dabei sein, obwohl der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen kann. Helfen werde Marx im Abstiegskampf noch nicht, sagt Meyer, „aber es ist gut für seinen Kopf“.

Unter anderen Umständen hätte der Trainer wohl darauf gedrängt, nicht mit dem gesamten Kader ins Trainingslager zu reisen, „aber man kann nicht alles so machen, wie man es am liebsten hätte“. Die trainingstaktischen Möglichkeiten sind die eine Seite, die weitere Verbesserung des Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der Mannschaft ist die andere. Hätte Meyer schon in dieser frühen Phase der Vorbereitung einem Spieler zu verstehen gegeben, dass er nicht mit ihm plant, so wäre das für die Stimmung innerhalb der Gruppe nicht unbedingt von Vorteil. Wenn die Rückrunde aber erst einmal begonnen hat, wird Meyer auf solche Empfindlichkeiten weniger Rücksicht nehmen. „Ich enge gerne ein“, sagt Herthas Trainer, weil das die Konzentration fördere, und „vor den Punktspielen wird der eine oder andere eher rausfallen, als es ihm gefällt“.

24 Einzelgespräche hat Meyer in dieser Woche mit den Spielern geführt, jedes mindestens eine Stunde lang. Und trotzdem ist für den neuen Trainer „das Kennenlernen noch nicht abgeschlossen“. Auch dieser Prozess wird im Trainingslager fortgeführt werden, dazu will Meyer auf Gran Canaria „verstärkt in taktische Dinge reinkommen“. In den ersten Trainingseinheiten hat er die Verunsicherung der Spieler noch deutlich gespürt, inzwischen aber „geht das eine oder andere fußballerisch leichter als am ersten Tag“.

Und doch wird Meyers Engagement durch den engen Zeitrahmen erschwert. Nur noch drei Wochen bleiben ihm bis zum Auftakt der Rückrunde gegen den Herbstmeister Werder Bremen. Bis dahin muss er die Verunsicherung aus den Köpfen vertrieben und eine stabile Mannschaft gefunden haben. „Es ist nicht der Zeitpunkt, um große Umbrüche mit den entsprechenden Risiken einzuleiten“, sagt Meyer. Die Mannschaft, die gegen Bremen spielt, wird personell nicht viel anders aussehen als zuletzt. Aber sie wird anders spielen müssen.

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