Sport : Schöne Freunde

Wie Herthas Einigung mit Gladbach zustande kam

Klaus Rocca

Wenn es ums Geld geht, hört bekanntlich die Freundschaft auf. Und von freundschaftlichen Beziehungen war dieser Tage oft die Rede, da Hertha BSC dem Abstiegsmitkonkurrenten Borussia Mönchengladbach unbedingt Hans Meyer abspenstig machen wollte. Am Ende habe man sich „auf freundschaftliche Art und Weise“ geeinigt, betonte Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Nicht nur der Tatsache, dass so lange zäh gerungen wurde, konnte man entnehmen, dass es da auch unter Freunden nicht immer so ganz freundschaftlich zuging. So berichtet eine Mönchengladbacher Zeitung gestern von einem hitzigen Telefongespräch zwischen Hoeneß und dem im Urlaub befindlichen Borussia-Präsidenten Adalbert Jordan. Als Hoeneß in höherer Tonlage darauf verwiesen habe, man habe 1999 für Sebastian Deisler 4,5 Millionen Mark an den Bökelberg überwiesen, obwohl Deisler am Saisonende ablösefrei gewesen wäre, und dafür könne sich Gladbach ja nun erkenntlich zeigen, soll Jordan den Telefonhörer wutentbrannt auf die Gabel geknallt haben.

Beim Gespräch, das am Sonntag Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller mit dem Vizepräsidenten Rolf Königs und dem Geschäftsführer Stephan Schippers führte, ging es zwar ruhiger zu, eine Einigung wurde aber auch nicht erzielt. Schiller flog mit den finanziellen Forderungen Gladbachs zurück nach Berlin. Als Schiller, früher Marketingchef in Gladbach, von den Verantwortlichen Herthas grünes Licht erhielt, kam es gestern früh nach einem Telefongespräch Schillers mit Schippers zur Einigung. Schon vorher hatte Hertha bekannt gegeben, dass man Meyer den Berliner Medien präsentieren werde.

Über die Summe, die Hertha gewissermaßen als Ablöse an die Borussia zahlt, wurde Stillschweigen vereinbart. Gladbachs Mediensprecher Markus Aretz erklärte jedoch, dass 700 000 Euro weitaus realistischer sind, als es die angeblich vom Verein geforderte eine Million ist. Dabei überweist Hertha angeblich zunächst nur 300 000 Euro, im Falle des Klassenerhalts würde dann die restliche Summe fällig werden. Mit dem Erlös wird Mönchengladbach wahrscheinlich in der Winterpause einen Spieler verpflichten – und sich damit im Kampf gegen einen Mitkonkurrenten verstärken.

Hans Meyer hatte am Sonntagabend seinen noch bis 2006 laufenden Vertrag als sportlicher Berater in Gladbach telefonisch kündigen wollen, wurde aber belehrt, dass das nicht geht. Erst nach Weihnachten wollen sich beide Seiten zusammensetzen und den Kontrakt im beiderseitigen Einvernehmen lösen.

Wie viel Hans Meyer für seinen bis zum 22. Mai nächsten Jahres, dem Ende der Saison, dotierten Vertrag von Hertha bekommt, wurde nicht bekannt. „Ich würde heucheln, wenn ich leugnen würde, dass mich das Geld gereizt hat“, sagte Meyer. Auf jeden Fall wird die Summe höher sein als die 300 000 Euro, die er zuletzt pro Saison als Scout bei Gladbach verdiente. Zudem hat er eine Nichtabstiegsprämie vereinbart. Die Rede ist von einer halben Million Euro.

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