Sport : Schöne Momente

Artur Wichniarek erzielt in letzter Minute das 2:1 für Hertha gegen Nürnberg

Stefan Hermanns

Berlin - Es gibt ein untrügliches Zeichen dafür, welche Erwartungen Fußballfans an ihre Mannschaft haben: die Reaktion auf die Zwischenstände von den anderen Fußballplätzen. In der vergangenen Saison haben die Anhänger von Hertha BSC noch ängstlich auf die Ergebnisse von Köln, Gladbach und Frankfurt geschielt, gestern im Olympiastadion jubelten sie, wenn auf der Anzeigetafel Tore des HSV gegen den VfB Stuttgart verkündet wurden. Die Stuttgarter waren vor dem Spieltag Dritter der Fußball-Bundesliga, gestern zogen die Berliner durch ihren 2:1- Sieg gegen den 1. FC Nürnberg an ihnen vorbei. Nach elf Spielen ohne Niederlage liegt Hertha nur noch einen Punkt hinter einem Champions-League-Platz. „Das ist eine sehr schöne Momentaufnahme“, sagte Trainer Falko Götz.

Mit schönen Momenten kennen sich die Berliner inzwischen aus. Zum dritten Mal in dieser Saison fiel der entscheidende Treffer in letzter Minute: gegen Bremen und Rostock jeweils zum 1:1, gestern, gegen Nürnberg, brachte das Tor des eingewechselten Artur Wichniarek Hertha den Sieg. Nach einem zu kurz abgewehrten Einwurf setzte sich Yildiray Bastürk an der rechten Seite gegen drei Gegner durch, flankte den Ball von der Torauslinie in die Mitte und ermöglichte Wichniarek damit den ersten Saisontreffer. „In diesem Moment stand ich an der richtigen Stelle“, sagte der Torschütze, „aber Yildiray hat fast alles alleine gemacht.“

Das war nicht nur in dieser Szene so. „Bastürk hat den Unterschied gemacht“, sagte sogar Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf. Auch am 1:0 hatte der türkische Nationalspieler entscheidenden Anteil. Nach einer Attacke von Thomas Paulus kam Bastürk im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Weiner gab Elfmeter, nachdem er zuvor bei einer plumpen Schwalbe von Nando Rafael hatte weiterspielen lassen. „Wenn wir ihm die Möglichkeit geben zu fallen, dann war’s Elfmeter“, sagte Wolf. Niko Kovac traf zum 1:0 (30. Minute).

Lange Zeit sah es nicht so aus, als könnten die Nürnberger den Berlinern, die auf den grippekranken Marcelinho verzichten mussten, gefährlich werden. Eine Stunde dauerte es, ehe sie erstmals auf das Tor von Christian Fiedler schossen. Doch Hertha büßte in der zweiten Hälfte immer stärker die Kontrolle des Geschehens ein, während die Nürnberger nun den Anweisungen ihres Trainers nachkamen, der in der Pause „Leidenschaft, Entschlossenheit und Mut nach vorne“ gefordert und zwei neue Spieler gebracht hatte.

Vor allem Markus Daun verkörperte die neue Entschlossenheit seiner Mannschaft. Mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Pal Dardai leitete er zehn Minuten vor Schluss den Konter ein, der schließlich zum 1:1 durch Marek Mintal führte. Dauns erste drei Aktionen allerdings endeten für seine Berliner Gegenspieler schmerzhaft und mit Behandlungspausen: Josip Simunic musste sogar ausgewechselt werden. Er fällt wegen einer Kapselverletzung am Sprunggelenk zwei Wochen lang aus. Nächsten Sonntag beim VfB Stuttgart muss Götz zudem auf Arne Friedrich (fünfte Gelbe Karte) und Andreas Neuendorf (Gelb-Rot) verzichten.

Neuendorf war zunächst wegen einer Rangelei verwarnt worden, die zweite Gelbe Karte nahm er bei einem Zweikampf mit Maik Wagefeld billigend in Kauf (81.). „Man kennt ihn ja“, sagte Götz. „Er hat fast darum gebettelt und dann endlich die Gelb-Rote Karte bekommen.“ Aber nach dem Sieg konnte Götz der Unbeherrschtheit Neuendorfs sogar noch etwas Positives abgewinnen: „Er hat gezeigt, dass er einfach nur das Spiel gewinnen wollte.“ Seinen Kollegen ist das ja dann auch gelungen.

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