Sport : Schöne neue Bayern-Welt

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Stefan Hermanns über den großen Irrtum der Münchner

Ach, ist es nicht schade, dass nun nichts wird aus den Plänen des Programmdirektors Rolf Rüssmann? Der Manager des VfB Stuttgart hat in der vorigen Woche eine interessante Idee in die Welt gesetzt: „In Zukunft wird das Frühtraining, die Kaffeepause und das Zubettgehen bei Bayern München live im Fernsehen übertragen.“ Es ist Zeit für die televisionäre Rundumbetreuung des deutschen Rekordmeisters, „Die Säbener Straße“ als tägliche Seifenoper, Bayern München 24 Stunden lang: mit Intrigen (Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge) und Gewalt (Kovac, Lizarazu), Liebe (Kahn und ?) und Krise.

Seit Samstag sind diese Pläne leider hinfällig – seit dem rauschenden Kantersieg gegen die übermächtigen Dortmunder mit dem Weltklassetorhüter Jan Koller. Nach allgemeiner Einschätzung ist die Münchner Krise nun wieder Geschichte. Und Uli Hoeneß, der Manager der Bayern, hat – vermutlich mit einiger Genugtuung – verkündet: „Wenn eine Krise damit endet, dass man mit fünf Punkten Vorsprung Spitzenreiter in der Bundesliga ist, kann ich mit solchen Krisen durchaus leben.“ Was stimmt nicht an diesem Satz? Dass die Krise vorbei ist. Die richtigen Probleme stehen den Bayern noch bevor. Jetzt erst kommen all die tristen Mittwochabende, an denen sie darauf achten müssen, nicht aus Versehen den Programmknopf von RTL zu drücken, jenem Sender, der die Triumphe der Leverkusener und Dortmunder in der Champions League überträgt.

Das Ausscheiden aus diesem Wettbewerb hat die Bayern nicht nur viel Geld und Renommee gekostet; es wird auch den Trainer Ottmar Hitzfeld vor größere Probleme stellen. In seiner erfolgreichen Zeit hat sich Hitzfeld als kreativer Kopf vermarktet, als Erfinder der Rotation. In Zukunft wird er nicht nur der Öffentlichkeit erklären müssen, warum die Rotation großer Blödsinn ist. Er wird es auch Spielern wie Niko Kovac und Alexander Zickler klar machen müssen, vielleicht sogar Owen Hargreaves, Jens Jeremies, Thomas Linke und Claudio Pizarro: Fußballern, denen jeder andere Bundesligist einen Stammplatz garantieren würde. Bei den Bayern bekommen sie allenfalls eine Karte für die Haupttribüne.

Der beste BayernKader aller Zeiten leidet fortan unter chronischer Unterbeschäftigung. In Erwartung der üblichen Mehrfachbelastung hat der Klub 25 Profis angestellt. Und die muss nun ausgerechnet Hitzfeld bei Laune halten, der schon deshalb als schwach gilt, weil seine Position öffentlich in Zweifel gezogen wurde. Ob solche Zweifel auch in der Vereinsführung existiert haben, ist irrelevant. Uli Hoeneß hat lediglich angekündigt, dass es keine Schnellschüsse geben werde. Eine ewige Bestandsgarantie für Hitzfeld hört sich anders an. Wahrscheinlich werden beide Seiten im Frühjahr ihre Trennung bekannt geben, einvernehmlich, versteht sich. Bis dahin hatten die Bayern genug Zeit, einen Nachfolger zu finden. Selbst Stefan Effenberg hat sich als Spielertrainer ins Gespräch gebracht: „Denen würde ich schön die Ohren lang ziehen.“

Über das tägliche Bayern-Programm sollte man dann noch mal nachdenken.

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