Sport : Schöne Qual

Tennisprofi Nicolas Kiefer erreicht nach fast fünf Stunden die dritte Runde in Paris

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Paris - Die diesjährigen French Open sind noch gar nicht alt, aber Nicolas Kiefer hat dennoch schon ein denkwürdiges Spiel hinter sich gebracht. Vier Stunden und fünfzig Minuten spielte er in der zweiten Runde gegen den Franzosen Marc Gicquel, das Spiel ging hin und her, am Ende schien Kiefer seine Chancen nicht zu nutzen – und gewann dann trotzdem.

Zwischenzeitlich hatte sich der Tennisprofi aus Hannover trotz einer 2:0-Satzführung durch drei lange Regenpausen völlig aus dem Konzept bringen lassen, erkämpfte sich aber noch einen 6:0, 6:1, 5:7, 3:6, 11:9-Erfolg. Damit steht er bei seiner zehnten Teilnahme zum zweiten Mal in der dritten Runde von Roland Garros. Am Freitag trifft Kiefer auf den Tschechen Tomas Berdych. Gegen ihn hatte er sowohl beim World Team Cup in der Vorwoche als auch beim Daviscup im September verloren.

„Das war ein sehr, sehr schweres Match, aber am Ende zählt nur der Sieg“, sagte Kiefer. „Ich wusste nicht genau, was mich erwartet, aber durch Kämpfen und Quälen kann ich immer gewinnen. Ich fühle mich körperlich fit und habe jetzt einen Tag zur Erholung.“

Für Philipp Kohlschreiber und Martina Müller waren dagegen die Zweitrunden-Gegner eine Nummer zu groß. Kohlschreiber unterlag dem spanischen Sandplatz-Experten Juan Carlos Ferrero 2:6, 4:6, 2:6. „Es ist keine Schande, gegen ihn zu verlieren“, sagte der Bamberger. Auch Müller stand beim 2:6, 2:6 gegen die Italienerin Francesca Schiavone auf verlorenem Posten und schied als dritte Deutsche nach Julia Schruff und Sandra Klösel in Paris aus.

Das Match zwischen Kiefer und Gicquel erstreckte sich durch die Regenunterbrechungen über mehr als sieben Stunden. Der mit einer Wildcard in das Grand-Slam-Turnier gestartete Lokalmatador hatte in den ersten beiden Sätzen nicht den Hauch einer Chance gegen den derzeit besten deutschen Tennisspieler. Doch nach der ersten Unterbrechung zu Beginn des dritten Satzes drehte der in der Weltrangliste auf Position 115 notierte gebürtige Tunesier plötzlich auf und entschied den dritten Durchgang für sich. Kiefer war zu dem Zeitpunkt völlig von der Rolle und haderte mit sich und den Zuschauern, die den Franzosen lautstark unterstützen. Auch mit einem Linienrichter legte sich der Hannoveraner an, weil der ihn bei einem Grundlinienschlag behindert haben soll. Im vierten Satz mussten beim Stand von 3:4 aus Kiefers Sicht für etwas mehr als eine Stunde erneut die grünen Schutzplanen über Court 2 gezogen werden – wie auch beim Stand von 2:2 im fünften Durchgang.

Erst im letzten Satz fing sich der 28 Jahre alte Kiefer wieder, und es entwickelte sich eine ausgeglichene und hochklassige Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Vize-Weltmeister mehrmals bei Hechtsprüngen auf der roten Asche landete. Allein der letzte Durchgang dauerte fast zwei Stunden, ehe Kiefer seinen sechsten Matchball verwandelte. dpa

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