Sport : Schöne Sitten

Der Franzose Olivier Panis passt nicht in die Formel 1

Karin Sturm

Monte Carlo. Das Bild hat Olivier Panis noch vor Augen: Wie er vor sieben Jahren in der Fürstenloge stand und aus den Händen von Fürst Rainier den Siegerpokal in Empfang nahm. Nach einem chaotischen Formel-1-Rennen mit nur vier Autos im Ziel hatte der Franzose in Monaco seinen ersten Grand-Prix-Erfolg erreicht. Es ist bis heute der einzige. 1996 glaubte der 36-Jährige zwar fest daran, dass ihm nach dem Rennen im Fürstentum eine große Karriere bevorstehen würde, aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht. „Sicher war Monaco damals ein Highlight, an das ich gern denke“, sagte Olivier Panis, „aber allmählich verblasst die Erinnerung, ich müsste eigentlich mal wieder gewinnen.“

Bis zum schweren Unfall in Kanada 1997 „schien es so, als könnte ich an den Monaco-Erfolg anknüpfen“. Er war so weit vorne in der WM-Wertung wie nie zuvor. „Ich hatte immer wieder Siegchancen.“ Doch als nach dreieinhalb Monaten Pause das Comeback anstand, missglückte es. Erst versuchte sich Panis beim Prost-Team, „bei dem nicht viel funktionierte“. Danach als Testfahrer bei McLaren-Mercedes. „Da habe ich sehr viel gelernt und auch wieder Selbstbewusstsein bekommen“, sagt er. Im Team mit den Silberpfeilen lieferte er den Beweis, dass er im gleichen Auto so schnell war wie Mika Häkkinen und David Coulthard – die beiden Stars. Da kam das Angebot von BAR gerade recht, neben dem ehemaligen Weltmeister Jacques Villeneuve wieder selbst im Blickpunkt stehen zu können.

Einen Podiumsplatz gab es für Panis dort zwar nicht, schon gar nicht einen Sieg, aber BAR war für ihn das Sprungbrett zu Toyota. Beim Rennstall aus Japan, der sich erst noch in der Formel 1 etablieren muss, versucht er nun, seine Erfahrungen, vor allem die aus der McLaren-Zeit, umzusetzen: „Toyota ist ein Team mit unglaublichen Ressourcen, mit allen Möglichkeiten. Insofern kann ich da schon mehr machen, als nur technische Entwicklungsarbeit zu leisten. Ich kann auch versuchen, auf Strukturen, auf Organisationsformen, auf die Art von Arbeitsabläufen hinzuweisen, so wie ein Top-Team sie hat.“

Warum dennoch bei Toyota die Erfolge noch ausbleiben? „Dem Team fehlt es an Formel-1-Erfahrung. Es braucht etwas Zeit. Ein bis zwei Jahre, dann ist das ein Team, das vorn mitfährt.“ Dann will er auch noch mit dabei sein: „Mir macht diese Arbeit immer noch sehr viel Spaß, nicht nur das Fahren allein, sondern eben auch all das andere."

Panis will bleiben, obwohl er nicht so recht in die heutige Formel-1-Szene passt. Dafür ist Panis zu nett, zu normal, zu freundlich, zu offen und zu ehrlich. Für ihn selbst ist das zwar nichts Besonderes. Für die, die ihn mit dem Großteil des heutigen Fahrerfeldes vergleichen, schon. Aber er ist nicht bereit, sich um des Erfolges Willen diesen Sitten anzupassen: „Das muss auch anders gehen“, sagt er, „ich könnte sonst nicht mehr in den Spiegel schauen.“

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