Sport : Schöne Stadien und ein gutes Team

Die Schweiz ist stolz auf ihre neuen Arenen und will den Titel holen

Peter Birrer[Zürich]

Kürzlich verkündete es Jakob Kuhn offiziell: „Die Nach-WM-Depression ist überwunden.“ Die Schweiz hatte gegen Argentinien ein 1:1 errungen, der Nationaltrainer war glücklich darüber, und die Nation atmete auf: Ein Jahr vor der Europameisterschaft 2008 im eigenen Land und in Österreich liegt eben sportlich doch nicht alles in Trümmern, wie es zuweilen im Spätherbst und im Frühjahr skizziert worden war.

Ein Jahr noch, und dann wird wohl das ganze Land wieder seine Reserviertheit ablegen und die Begeisterung des vergangenen Sommers zeigen, als sie zu Tausenden nordwärts zogen, um die Landesauswahl bei der WM in Deutschland zu unterstützen. Heute, 361 Tage vor dem Eröffnungsspiel in Basel, macht sich die Vorfreude aber noch so wenig bemerkbar wie in Deutschland ein Jahr vor der WM, als trotz des tollen Confederations-Cups niemand mit der Nationalfahne durch die Straßen lief. Die Städte in der Schweiz sind nicht mit Flaggen behängt, und an den Straßenecken stehen auch nicht überall Schilder, die auf das bevorstehende Großereignis aufmerksam machen.

Dennoch freut sich die Schweiz darauf, Europa in einem Jahr empfangen zu dürfen. Gleich der ganzen Welt wurde am Freitag beim „One-Year-to- Go“-Event auf dem mondänen Jungfraujoch gezeigt, dass weder Kosten noch Aufwand gescheut werden, selbst den Countdown auf die Jahrhundertveranstaltung gebührend einzuläuten. Ansonsten laufen die Vorbereitungen aber im Hintergrund. Mit der gebotenen Gründlichkeit und Sorgfalt. Der Veranstalter entsandte das Gros seiner Mitarbeiter im Juni 2006 zum deutschen Nachbarn, um sich ein Bild von der Organisation der WM zu machen. Die Beobachtungen nahmen sie mit nach Hause an ihren Sitz in Nyon am Genfersee und werteten sie aus. Pascale Vögeli, die Sprecherin der Euro 08, sagt heute: „Deutschland hat großen Einfluss auf uns – im positiven Sinn.“

Primär adaptierten die Schweizer große Teile des Sicherheitskonzepts. Und sie lernten, als neue Dimension quasi, das Public Viewing kennen, das während der Endrunde eine dominierende Rolle spielen wird – auch oder vor allem, weil die Stadien nicht annähernd die Kapazitäten wie jene in Deutschland erreichen. Stolz ist der Schweizer gleichwohl darauf, dass in Basel eine multifunktionale Arena mit 40 000 Plätzen steht, in Bern und Genf je eine mit 30 000, und der komplett neu gebaute legendäre Letzigrund in Zürich wird mit gleich großem Platzangebot am 7. September mit dem traditionellen Leichtathletik-Meeting eröffnet. Dank der Europameisterschaft verschwinden langsam aber sicher die antik daherkommenden Stadien, in denen während der vergangenen Jahre und Jahrzehnte gekickt wurde.

„Weltmeister zu werden, das ist und bleibt das Größte“, sagt der ehemalige Bundesliga-Profi Adrian Knup, der jetzt Teamberater der Nationalmannschaft ist, „aber das Ereignis Euro 08 als solches übertrifft für uns Schweizer alles“. Und schließlich soll im Juni 2008 eintreffen, was Jakob Kuhn schon vor drei Jahren als Zielvorgabe ausgegeben hat: „Wir wollen Europameister werden.“

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