Sport : Schöner als im Drehbuch

Unions 4:2 gegen Cottbus ist eine einzige Party

Verkehrte Welt. Der Cottbuser Soma überspringt Quiring, der erstmals trifft. Foto: dpa
Verkehrte Welt. Der Cottbuser Soma überspringt Quiring, der erstmals trifft. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Das Spiel zwischen dem 1. FC Union und Energie Cottbus hatte noch nicht begonnen, da wurde es bereits emotional im Stadion an der Alten Försterei. Unions Verantwortliche und Spieler hatten sich am Mittelkreis eingefunden, um im letzten Heimspiel der Saison die Spieler zu verabschieden, die den Verein verlassen werden. Dabei trugen alle Spieler Hemden mit der 22 auf dem Rücken, jener Nummer, die beim 1. FC Union seit sechs Jahren zu Karim Benyamina gehört. Der erfolgreichste Torschütze der Klubgeschichte hatte bei den Köpenickern keinen neuen Vertrag erhalten und wurde nun von den 18 432 Zuschauern im ausverkauften Stadion verabschiedet.

Dass in den folgenden 90 Minuten auch noch ein Fußballspiel stattfand, geriet bei all den Feierlichkeiten zum Saisonabschluss zur Nebensache. Und auch die Spieler von Energie Cottbus schienen die Party der Berliner nicht stören zu wollen, am Ende siegte Union in einem ansehnlichen Spiel 4:2 (1:1). „Wir haben völlig verdient gewonnen“, sagte Uwe Neuhaus hinterher, sein Cottbusser Kollege Claus-Dieter Wollitz wollte Unions Trainer nicht widersprechen.

Neuhaus’ Spieler beflügelte die prächtige Kulisse von Beginn an. Gerade mal eine Minute war gespielt, da verpasste Christopher Quiring eine Hereingabe von Karim Benyamina nur knapp. Benyamina stand wie die zuletzt nicht mehr berücksichtigten Macchambes Younga-Mouhani und Paul Thomik in der Startelf – ein Abschiedsgeschenk von Trainer Uwe Neuhaus. Im weiteren Spielverlauf kamen auch noch die eingewechselten Björn Brunnemann und Bernd Rauw zu ihrem letzten Einsatz in der Alten Försterei. Es waren aber zunächst nicht die Verabschiedeten, die das Spiel von Union prägten, sondern einer, der sich erst kürzlich bis 2014 an den Verein gebunden hatte: John Jairo Mosquera war in der ersten halben Stunde an so ziemlich jeder gefährlichen Aktion der Berliner beteiligt. Erst scheiterte der Kolumbianer freistehend an Thorsten Kirschbaum, nur wenige Minuten darauf machte er es besser und überwand den Cottbusser Torhüter zum 1:0. Im Anschluss verzog Mosquera noch einmal knapp. „Wir hätten in der Anfangsphase schon 3:0 führen können oder sogar müssen“, sagte Neuhaus.

Von Cottbus war auch in der Folgezeit nicht viel zu sehen, der Ausgleichstreffer durch Emil Jula kurz vor der Pause fiel eher zufällig. Wenig später bot sich Jula gar die Möglichkeit zur Cottbusser Führung, doch der Stürmer konnte Unions Torwart Jan Glinker aus einem Meter Entfernung nicht überwinden. Ein Berliner Rückstand hätte auch irgendwie nicht ins Bild gepasst an diesem Nachmittag, der aus Sicht des 1. FC Union wie aus dem Drehbuch verlief. So traf in der zweiten Halbzeit mit Dominic Peitz ein weiterer Verabschiedeter und Publikumsliebling für Union zur erneuten Führung. Dem Cottbusser Jiayi Shao gelang mit einem direkt verwandelten Freistoß zwar kurzzeitig der Ausgleich, doch Christopher Quiring schoss Union mit seinem ersten Zweitligator wieder in Front. Und dann kam, was selbst für ein Drehbuch vielleicht zu kitschig gewesen wäre: Karim Benyamina erzielte sein letztes Tor in der Alten Försterei und wurde nach dem Spielende lautstark gefeiert. Ein allerletztes Mal.

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