Sport : Schöner Schmerz

Alba Berlin steht heute im Uleb-Cup gegen Sofia bereits unter Erfolgsdruck

Benedikt Voigt

Berlin - Am Freitagmorgen hat Ruben Boumtje Boumtje sprechen gelernt. Nicht dass der 28-Jährige zuvor nicht reden konnte, doch in der Trainingshalle B der Max-Schmeling-Halle bekam der Basketballprofi von Alba Berlin erklärt, was er auf dem Spielfeld seinem Centerkollegen Sharrod Ford zu sagen habe. „Es waren so kleine Sachen“, berichtet der 2 Meter 12 große Kameruner, „Sachen wie: Ich bin da oder geh’ du hoch.“

Die neue Kommunikationsoffensive der Centerspieler soll Alba Berlin helfen, heute in der Max-Schmeling-Halle (20 Uhr, live bei Eurosport 2) im Uleb-Cup gegen Lukoil Academic Sofia zu gewinnen. Bei der Niederlage in Siena (63:79) hatten die groß gewachsenen Spieler der Berliner nicht das geboten, was man von ihnen aus der Bundesliga kennt. Koko Archibong, Sharrod Ford und Ruben Boumtje Boumtje kamen gemeinsam auf neun Punkte, in der Bundesliga erzielen sie durchschnittlich 23,1 Punkte. Vor allem gegen die Zonenverteidigung hatten die langen Spieler Schwierigkeiten. „Aber das waren nicht nur wir Großen, alle hatten Probleme“, sagt Ruben Boumtje Boumtje.

Der ehemalige NBA-Spieler der Portland Trailblazers macht die fehlende Abstimmung in der Offensive für die Fehler verantwortlich. „Wir spielen alle zum ersten Mal zusammen“, sagt Boumtje Boumtje, „das braucht Zeit.“ So diente die Kommunikationsübung am Freitagmorgen dazu, die Ordnung zu verbessern. Die Centerspieler sollen heute gegen Sofia nicht erneut zur gleichen Zeit am gleichen Ort stehen.

Die Berliner können mit Chris Owens und Nenad Canak auf insgesamt fünf Spieler zurückgreifen, die über 2,04 Meter groß sind. In der Bundesliga stellt das die meisten Gegner vor große Probleme, aber im Uleb-Cup? „Natürlich gibt es einen Qualitätsunterschied zwischen diesen Ligen“, sagt Henrik Rödl, „aber unsere Großen können auch auf europäischem Niveau mitspielen.“ So erzielte Chris Owens gegen Siena 12 Punkte und fing 12 Rebounds. Ohnehin möchte Trainer Henrik Rödl für die erste Uleb-Cup-Pleite nicht seine großen Spieler verantwortlich machen. „Alle drei definieren sich nicht darüber, Punkte zu machen“, sagt Albas Trainer, „erst wenn sie zu wenig Rebounds fangen würden, würde ich mir Gedanken machen.“

Eine andere Aufgabe der langen Spieler sei die Verteidigung, erklärt Rödl. Dabei kommt auf Koko Archibong heute eine unangenehme Aufgabe zu, er muss den bulgarischen Forward Todor Stojkow bremsen. Dieser hatte bei Sofias 89:77 über Ostende 22 Punkte erzielt. Zweiter herausragender Spieler der Bulgaren ist der US-amerikanische Aufbauspieler Lamont Jones, der 20 Punkte und 10 Assists lieferte.

Kurioserweise gilt für Alba bereits das zweite Spiel im Uleb-Cup als eine Art Endspiel. „Es ist das bisher wichtigste Spiel in dieser Saison“, sagt Rödl. Die Berliner müssen gewinnen, wenn sie gute Aussichten auf ein Weiterkommen haben wollen. Der Heimvorteil wiegt im Uleb-Cup schwer, außerdem zählt Sofia zu den Mannschaften, die Alba hinter sich lassen könnte. Was den Erfolgsdruck steigert.

Henrik Rödl nimmt’s gelassen. Er sitzt nach dem Training auf einem Tisch, baumelt mit den Beinen und sagt: „Es ist doch schön, dass jetzt Spiele kommen, in denen Druck da ist.“ Für solch wichtige Spiele sei das Team zusammengestellt worden. „Es macht Spaß, wenn es um etwas geht“, sagt der Coach und grinst. Er kennt diese Situation, Albas Ziele sind mit Meistertitel, Pokalsieg und Weiterkommen im Uleb-Cup auch in dieser Saison sehr hoch. Rödl sagt: „Man sollte den Druck nicht negativ sehen, sonst wird’s anstrengend.“

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