Sport : Schöner springen

Im Kampf um die wichtigen Fernsehzeiten profitiert das Eiskunstlaufen vor allem von der WM im eigenen Land

Frank Bachner

Berlin. Die Optik ist natürlich optimal. Blondere Haare als Mikkeline Kierkgaard kann man nicht haben, lang sind sie auch noch, die Haare, dazu ein Modelgesicht und eine wunderbare Figur. Wie fürs Fernsehen gemacht. Und dazu einen sportlichen Partner, der aussieht wie diese Sonnyboys in der Werbung. Mikkeline Kierkgaard und Norman Jeschke bilden zweifellos das attraktivste deutsche Duo im Paarlaufen auf dem Eis. Sie werden sich zur besten Sendezeit präsentieren können, die ARD überträgt die Entscheidung im Paarlauf bei den deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften in Berlin am Sonntag live, innerhalb eines ganzen Sportpakets. Ski alpin, Nordische Kombination, Rodeln, Skispringen, die ganze Palette. Die Titelkämpfe begannen gestern mit den Pflichttänzen und dem Kurzprogramm der Damen.

Eigentlich sollte ja auch am Samstag live aus Berlin gesendet werden. Aber das geht nun nicht mehr. „Unsere Sendezeit wurde verkürzt“, sagt Hagen Boßdorf, der ARD- Sportkoordinator. Und für Sonntag hatte er einen Wunsch: „Die Paarlauf-Entscheidung und die Kür der Herren sollten bis um 17 Uhr beendet sein.“ Für Reinhard Mirmseker ist das natürlich gar kein Problem. Es wäre ja auch waghalsig gewesen, wenn ausgerechnet der Präsident eines ziemlich erfolglosen Verbandes irgendwelche Sperenzchen gemacht hätte. Also wird das Programm so gestrafft, dass die ARD zufrieden ist. Schließlich sagt keiner inbrünstiger als der Chef der Deutschen Eislauf-Union (DEU), „dass das Fernsehen für uns der wichtigste Punkt ist“.

In Deutschland boomt der Wintersport, die sportlichen Widersacher der Eiskunstläufer sind die Sachenbachers, die Schmitts, die Henkels und Disls – die Langläufer, Skispringer und Biathleten also. Aber welche Namen hat schon das Eiskunstlaufen zu bieten? Winkler und Lohse, gut, die waren zweimal WM-Siebente und einmal WM-Sechste. Aber sonst? Kierkgaard/Jeschke sind noch nicht mal für Deutschland startberechtigt. Die Dänin Kierkgaard hat noch keine Freigabe ihres Heimatverbandes. Und wer kennt schon Silvio Smalun, den Deutschen Einzelmeister von 2003? Oder Annette Dytrt, die amtierende Deutsche Meisterin, die sich gestern erneut an die Spitze setzte? Immerhin, die ARD überträgt zurzeit überdurchschnittlich viel Eiskunstlaufen. Die deutschen Meisterschaften laufen teilweise live, der Bofrost-Cup in Gelsenkirchen und die „ARD- Gala on ice“ wurden ebenfalls live gesendet. Vom Grand-Prix in Gelsenkirchen lief 2002 dagegen nur eine Aufzeichnung. Die Fernsehpräsenz hat natürlich ihren Grund. Die ARD überträgt Ende März die WM in Dortmund, da macht sie schon mal Werbung in eigener Sache. Aber Mirmseker sagt auch, Boßdorf habe ihm erklärt, „dass man auch in schweren Zeiten zueinander stehen muss“. Die TV-Gelder an die DEU hat die ARD aber trotzdem gekürzt, als sie 2002 den Fernsehvertrag bis 2006 verlängerte.

Ohne WM wäre die TV-Situation für Mirmsekers Verband trostlos. Obwohl Eiskunstlaufen eine sehr telegene Sportart ist, telegener als Ski-Langlauf allemal. Und es gibt auch durchaus Sponsoren. Das Lebensmittelunternehmen Bofrost zahlt viel Geld, Kärcher, ein Produzent von Handwerks- und Haushaltsgeräten, ist der Generalsponsor der DEU. Dessen Marketingexperten fanden heraus, dass vor allem Frauen das Eiskunstlaufen verfolgen, potenzielle Kunden von Haushaltsgeräten also. Aber man muss die Firmenlogos halt auch oft genug sehen im Fernsehen, nur dann fließen üppige Summen. Und das Fernsehen kommt nur, wenn es Stars zeigen kann. Die DEU aber hat mangels Topstars 2003 schon den Grand-Prix-Standort Gelsenkirchen an Schanghai verloren. Einen Grand- Prix darf nur austragen, wer genügend Topleute besitzt, schreibt der Weltverband vor.

Für Mirmseker war dieser Verlust erstmal hart. Aber dann wurde der neu konzipierte Bofrost-Cup immerhin live gesendet, mit einer Quote von 8,4 Prozent. Die „ARD-Gala“ kam auf 10,1 Prozent. „Das ist für Eiskunstlauf ordentlich“, sagt ein Mitarbeiter der ARD-Sportkoordination. „Nur, im Vergleich zu anderen Wintersportarten sind die Quoten bescheiden.“ In der Saison 2002/2003 kamen Eiskunstlauf-Sendungen in ARD, ZDF und RTL im Schnitt auf 1,16 Millionen Zuschauer. Die Rodler dagegen zogen 1,85 Millionen an, die Bobfahrer sogar 2,03. Ganz vorne aber, uneinholbar, lagen die Skispringer. Mit 4,03 Millionen.

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