Sport : Schönheit des Moments

Der Hattrick gibt Bremens Klose keine Spielgarantie

Richard Leipold[Bochum]

Thomas Schaaf ist nicht gerade für eine besonders bildhafte Sprache bekannt. Nach dem 4:1 beim VfL Bochum aber benutzte der Cheftrainer des SV Werder Bremen eine Metapher – nicht über die Maßen originell, aber zutreffend. „Wir haben das Selbstvertrauen und die Sicherheit getankt, die wir brauchen.“ In der zweiten Hälfte eines zunächst lahmen Spiels versorgten sich die Bremer Profis, allen voran der dreimalige Torschütze Miroslav Klose, mit Kraftstoff für das erste Heimspiel in der Champions League am Mittwoch gegen den FC Valencia.

Kloses große Gala mit einem Hattrick binnen neunzehn Minuten führte unweigerlich zum Thema Europapokal hin. Darf der in Bochum erst zur zweiten Halbzeit eingewechselte, fünf Millionen Euro teure Stürmer gegen die Spanier wieder von Anfang an mitspielen? Oder bleibt er eine Teilzeitkraft? Normalerweise keine Frage, aber mit dieser Personalie konfrontiert, gab Schaaf wieder den sachlichen Fußball-Lehrer, der sich von der Schönheit des Augenblicks nicht überwältigen lässt. „Die Tore haben ihm gut getan. Sie helfen Miro, sein Selbstvertrauen wiederzufinden“, sagte der Trainer. „Was das für das nächste Spiel bedeutet, müssen wir aber erst sehen.“

Mit Blick auf Valencia hat Schaaf andere Sorgen, als sich zwischen zwei Stürmern zu entscheiden – zwischen Klose und Nelson Valdez, der in Bochum nur deshalb zur Pause ausgewechselt wurde, weil Schiedsrichter Albrecht ihm nach einer nicht unbedingt erforderlichen Gelben Karte einen Platzverweis angedroht hatte. Werders lange Liste kranker Profis wurde in Bochum noch erweitert. Verteidiger Petri Pasanen musste nach einem Zusammenprall mit Dariusz Wosz mit einer Platzwunde am Kopf ebenso das Spiel beenden wie der Bochumer Kapitän. Gegen Valencia werde Pasanen „wohl ausfallen“, sagt Schaaf. Vor der Heimreise kündigte der Trainer an, er werde „im Bus durchzählen, um zu sehen, wer noch alles ,Hier!’ schreit“.

Den Bremern gehen nach und nach die Stammspieler aus, den Bochumern indes kommt allmählich der Schwung abhanden. In Anlehnung an Schaafs Bild musste Peter Neururer sich fragen lassen, ob der Tank des VfL leer sei. „Mit Sicherheit nicht“, behauptete der Bochumer Trainer. Seine Mannschaft müsse aber erst lernen, mit dem neuen Rhythmus umzugehen. Nach nur einem zusätzlich belastenden Uefa-Pokalspiel wirken die Bochumer Spieler ein wenig außer Atem. Doch das müsse nicht der Grund für die Niederlage gewesen sein, sagt Neururer. „Vielleicht war Werder einfach nur besser.“ Wie auch immer: „Diese Niederlage kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt“, fürchtet Neururer. Im Europacup-Rückspiel gegen Lüttich müsse seine Mannschaft versuchen, möglichst rasch ein Tor zu erzielen. „Sonst kommt möglicherweise Angst auf.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben