Sport : Schönspieler

Bayer Leverkusens Schwächen werden beim DFB-Pokalspiel von Werder Bremen aufgedeckt

Frank Hellmann

Bremen – Erst nach dem Abpfiff befleißigte sich der ein oder andere des schnellen Schrittes. Die Profis von Bayer Leverkusen, gerade der offenbar lästigen Pflichtaufgabe DFB-Pokal entledigt, hetzten kollektiv im Eiltempo in die Kabine. Möglichst nichts erklären und erläutern, wo doch offenkundig war: Die 2:3-Niederlage bei Werder Bremen, das vorzeitige Aus in Runde zwei, war die logische Folge, wenn Einsatz, Elan und Engagement auf das Nötigste reduziert werden. „Werder hat mit mehr Aufwand gespielt“, stellte Leverkusens Trainer Klaus Augenthaler ernüchtert fest, „bei uns hat die Entschlossenheit gefehlt“.

„Keinen optimalen Abend“, machte Kapitän Carsten Ramelow aus, ohne die Missstände tiefer zu betrachten. Missstände im Leverkusener Spiel, die einfach zu benennen sind: Auch in der Regentschaft des Ur-Bayers Augenthaler verfällt das Bayer-Ensemble noch allzu oft in gefährliche Selbstzufriedenheit, tritt selbstverliebt auf, schlägt Selbstbewusstsein in Überheblichkeit um.

Der Meister – „ein Gegner mit großem Namen“ (Augenthaler), motivierte Leverkusens Ballkünstler nicht zu einem großen Spiel. Vielleicht hatte der Coach selbst das falsche Signal gesetzt. „Uns steht ein Mörderprogramm bevor, aber der Pokal ist die geringste Belastung von allen“, hatte Augenthaler gesagt. Der leicht lädierte, zuletzt groß auftrumpfende Bernd Schneider saß zur Schonung auf der Bank, stattdessen verteidigten unerfahrene Spieler wie Sascha Dum (18) oder Jan-Ingwer Callsen-Bracker (19). Ursächlich verantwortlich für das Pokal-Aus waren andere: Etwa der bei zwei der drei Tore von Johan Micoud (5.) und Nelson Valdez (55. und 58.) patzende Torwart Hans-Jörg Butt, der fahrige Verteidiger Roque Junior, der verspielte Robson Ponte oder der lustlose Dimitar Berbatov, der zwar ein Tor köpfte (69.), indes immer dann abdreht oder abwinkt, wenn es allzu körperbetont wird. Augenthaler drückte seinen Zorn so aus: „Nur mit Schönspielerei gewinnst du nichts - und in Bremen erst recht nicht.“

Unverkennbar war beim Spiel in Bremen, dass die vom Coach geforderte „letzte Überzeugung“ der Mannschaft fehlte. Werder gewann, weil die Bremer konsequenter in den Offensivaktionen waren, verdient. Vielleicht auch, weil sie beim Pokal-Titelverteidiger alle genau wissen, wofür es sich im Pokal zu kämpfen lohnt. „Dieses geile Gefühl beim Endspiel in Berlin“, sagte Torwart Andreas Reinke, „wollen wir doch alle schnell wieder erleben.“

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