Sport : Schon am Ziel

Radfahrer Klöden bleibt wohl bei T-Mobile

Mathias Klappenbach

Berlin - Andreas Klöden hatte starke Kopfschmerzen. Deshalb gab er am Samstag beim Weltcuprennen Clasica San Sebastian weit vor dem Ziel auf. Der überraschende Zweite der Tour de France macht sich zurzeit sicher viele Gedanken darüber, für welchen Rennstall er im nächsten Jahr fahren wird. Die Kopfschmerzen hatte er aber wegen der großen Hitze im Baskenland, 38 Grad Celsius wurden gemessen. „Vielleicht ein Resultat einer leichten Rückenblockade. Wir werden das heute oder morgen genau untersuchen“, sagte der Sportliche Leiter von T-Mobile, Mario Kummer.

Große Sorgen muss sich der Rennstall um seinen neuen Star aber nicht machen. Am Sonntag ging es Klöden wieder besser, sein Start bei den Olympischen Spielen ist laut Kummer nicht gefährdet. Und die Verlängerung des am Jahresende auslaufenden Vertrages ist wahrscheinlicher als ein Weggang. Klöden, der bislang geschätzte 500 000 Euro pro Jahr verdient, hat seinen Marktwert bei der Tour erheblich gesteigert. Nach Aussagen seines Managers Tony Rominger hat er drei weitere konkrete Angebote vorliegen. Der in der Öffentlichkeit zurückhaltende Klöden pokert wohl auch deshalb ein bisschen, weil eine von ihm angebotene Vertragsverlängerung für zwei Jahre zu gleichen Konditionen bei T-Mobile vor der Tour abgelehnt worden war.

Für einen Wechsel Klödens spricht, dass der 29-Jährige in einem anderen Team wie der angeblich interessierten Cofidis-Mannschaft Kapitän wäre – und so nur für den eigenen Erfolg fahren könnte. Auch der zweite große deutsche Rennstall, das Team Gerolsteiner, hätte den Freund und Nachbarn von Jan Ullrich gerne in seiner Mannschaft. Teamchef Hans-Michael Holczer hatte schon im Frühjahr bei der Niedersachsen-Rundfahrt Klöden das Interesse von Gerolsteiner signalisiert, aber schon damals war der treue Helfer von Jan Ullrich wohl zu teuer. Der gesamte Jahresetat von Gerolsteiner wird auf fünf bis sechs Millionen Euro geschätzt.

Zudem fühlt sich Klöden dem T-Mobile-Team, das trotz vieler Verletzungen in den vergangenen Jahren zu ihm hielt, und Ullrich verbunden. Ob Klöden, der seine Entscheidung nach dem olympischen Straßenrennen am kommenden Samstag bekannt geben will, bei T-Mobile bleibt, hängt aber vor allem davon ab, ob er noch große Ziele hat – und sie bei T-Mobile verwirklichen kann.

Jan Ullrich forderte nach der Tour de France für das nächste Jahr eine Mannschaft, in der sich wie bei Lance Armstrongs US-Postal-Team alle Fahrer einem Kapitän unterordnen. Die vor der Tour von T-Mobile geplante Taktik, Armstrong mit der Doppelspitze Ullrich/Winokurow anzugreifen, wurde durch eine Verletzung des Kasachen vereitelt. Klöden übernahm die Rolle Winokurows, aber auch das Duo Ullrich/Klöden konnte Armstrong nicht gefährden.

Seine bisher beste Saison vor seinem großen Auftritt bei der Tour hatte Andreas Klöden im Jahr 2000, als er bei dem Klassiker Paris — Nizza und der Baskenland-Rundfahrt siegte. Bei den Olympischen Spielen in Sydney gewannen Ullrich, Winokurow und Klöden Gold, Silber und Bronze. In dieser Reihenfolge, an ihr lässt sich bis heute der teaminterne Stellenwert der Fahrer ablesen. Am kommenden Samstag beginnt in Athen der Wettkampf, wer zukünftig wem bei T-Mobile helfen muss.

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