Sport : Schon wieder nach oben

Nach einem Sieg im letzten Hinrundenspiel in Hannover müsste Hertha BSC das Saisonziel neu definieren

Mathias Klappenbach

Berlin - Seit zwei Wochen wird bei Hertha BSC ein bisschen anders geredet. „Wir wollen in der Rückrunde angreifen“, hat Falko Götz bei der Mitgliederversammlung des Vereins in sein Mikrophon gerufen und damit großen Beifall ausgelöst. Zwar lautet das offizielle Saisonziel des Fußball-Bundesligisten weiter „einstelliger Tabellenplatz“. Doch mit der jüngsten Erfolgsserie mit sechs Spielen ohne Niederlage ist bei den Verantwortlichen noch nicht die Erwartung, aber schon die Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison gestiegen. „Wir können alle die Tabelle lesen und sehen, was in der Rückrunde möglich ist“, sagte Trainer Götz vor dem letzten Bundesligaspiel in der Hinrunde (heute, 15.30 Uhr live bei Premiere) bei Hannover 96. Auch die Spieler halten Erfolge schon in naher Zukunft wieder für möglich: Schließlich hatte der von einigen Spitzenklubs umworbene Kapitän Arne Friedrich seinen Vertrag wenige Stunden vor Götz’ erster Angriffserklärung verlängert.

Offensichtlich haben sich Götz und Manager Dieter Hoeneß aber darauf verständigt, das Saisonziel frühestens nach einem Erfolg in Hannover nach oben zu korrigieren. Dabei wäre statt des Ziels „Uefa-Cup-Platz angreifen“ das Ziel „Uefa-Cup-Platz erreichen wollen“ bei der momentanen Tabellensituation keine Übertreibung mehr. Mit einem Sieg kann Hertha heute die Hannoveraner überholen. Falls zudem Bremen sein Spiel gegen Kaiserslautern verliert oder Wolfsburg nicht gegen Bielefeld gewinnt, würde Hertha sogar schon die Winterpause auf einem Uefa-Cup-Platz verbringen. Für die Stabilisierung der knapp dem Abstieg entgangenen Mannschaft war ursprünglich ein Jahr angesetzt worden. Doch sie hat nur ein halbes gedauert.

Selbst der mühsame Saisonstart mit den sechs Unentschieden in Serie hat gezeigt, dass die Mannschaft stabiler ist als vor einem Jahr. Inzwischen hat Hertha gemeinsam mit dem heutigen Gegner mit jeweils 15 Gegentoren die beste Abwehr der Liga und die wenigsten Spiele verloren, drei – wie Bayern München. Die nominellen Stürmer haben zwar nach wie vor sehr wenig Tore erzielt (Rafael drei, Bobic eins, Wichniarek null). Wenn in der Winterpause aber noch ein Top-Stürmer verpflichtet werden sollte und der Angriff seine Torquote in der Rückrunde verbessert, kann Hertha trotz des in der Breite nicht stark besetzten Kaders um die Uefa-Cup-Plätze mitspielen. Im Kontersystem von Götz darf meistens sowieso nur ein Stürmer spielen. Dafür hat allein der auswärts weit vorgezogene Regisseur Marcelinho schon neun Treffer erzielt, auch die anderen Mittelfeldspieler haben alle schon getroffen. „Unsere Defensive stand von Beginn der Saison an gut, dann haben wir den Schwerpunkt in unserer Arbeit auf die Offensive gelegt“, sagt Falko Götz.

In fremden Stadien funktioniert die Spielweise mit vier offensiven Mittelfeldspielern und einem Stürmer ausgezeichnet, das haben vor allem die letzten beiden Auswärtserfolge auf Schalke und in Wolfsburg gezeigt. In Hannover trifft Hertha heute allerdings auf eine Mannschaft, die mit einer ähnlichen Taktik überraschend erfolgreich ist und den Berlinern wenig Raum für ihre Konter geben wird. Die Niedersachsen lassen den Gegner zunächst nicht zu seinem Spiel kommen und versuchen nach der Balleroberung sofort, mit schnellen Kombinationen über wenige Stationen zum Torerfolg zu kommen. Im Gegensatz zu den Berlinern, die zu Hause in der Hinrunde nur zwei Spiele gewonnen haben, funktioniert diese Taktik bei Hannover auch in Heimspielen.

Vielleicht ist es für Hertha aber ganz gut, dass die Zuschauer im Olympiastadion nicht mit Siegen verwöhnt wurden. So dauert es vielleicht ein kleines bisschen länger, bis aus „erreichen wollen“ wieder „erreichen müssen“ wird.

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