Schottland - Argentinien 0:1 : Maradona jubelt mit links

Bei seinem ersten Einsatz als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft freut sich ein erstaunlich gelassener Diego Maradona über einen 1:0-Sieg in Schottland.

Raphael Honigstein[Glasgow]
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Gefasst. Debütant Maradona.Foto: AFP

Der vierte Offizielle reckte eine Tafel mit einer roten „3“ in die Höhe, dann ging das Spiel in der Nachspielzeit los. Aus beiden Kurven des spärlich besuchten Glasgower Hampden Parks rannten die Leute mit Fotokameras und Mobiltelefonen los, um rechtzeitig zum Schlusspfiff bei ihm zu sein. Die eigentliche Partie lief zwar noch; die Mannschaften mühten sich jedoch nur in einer Weise, die den Eindruck erweckte, sie wollten beide das knappe 1:0 über die Zeit retten.

Als es geschafft war, gönnte sich der neue argentinische Nationaltrainer eine Jubelgeste mit der linken Hand. Er umarmte Verteidiger Gabriel Heinze an der Seitenlinie, verabschiedete sich artig von Schottland-Coach George Burley und ging sofort in die Kabine. Ein leiser Abgang von Diego Maradona beim Debüt als demonstrativ ernsthafter Nationaltrainer.

Maradona verhielt sich nach Schlusspfiff ungewohnt ruhig

Ungerührt hatte er der Nationalhymne zugehört und den Treffer von Maxi Rodríguez vernommen. In dieser Starre verweilte er noch lange nach den Schlusspfiff, als er leise immerhin ein bisschen Pathos in die Veranstaltung trug. „Die Spieler waren heute eine Einheit. Echte Männer auf dem Platz, die bereit waren, für das Trikot zu sterben“, sagte er. Die nach acht sieglosen Spielen in Folge verunsicherten Südamerikaner brauchten einen Chef, der so aussah, als ob er alle Antworten kenne und zu jeder Zeit seine Fassung bewahren würde. Sie bekamen ihn. „Ich habe die ganze Woche 100 Prozent dafür gegeben, die Moral der Spieler wiederherzustellen“, sagte Maradona, „und ich habe es geschafft, ihnen die Angst vor der Niederlage zu nehmen.“

Der Weltmeister von 1986 wäre nicht der erste Trainer, der in der Arbeit sein eigenes Seelenheil wiederfindet. Noch in der Nacht flog er zurück nach Madrid, um bei seiner Tochter zu sein. In deren Schwangerschaft sind Komplikationen aufgetreten.

Seitenhieb gegen Schottlands Kotrainer, den Engländer Terry Butcher

Einmal durfte er aber noch lachen, „zum ersten Mal seit zwei Tagen“, wie er sagte. Er wurde auf den schottischen Assistenztrainer Terry Butcher angesprochen. Auf jenen Butcher, der 1986 im WM-Viertelfinale mit England gegen Argentinien unterlegen war. Vor dem Spiel hatte Butcher bereut, Maradona nach seinem betrügerischen Handspiel in Mexiko nicht verprügelt zu haben und einen Handschlag ausgeschlossen. „Wer ist Butcher, wer ist Butcher?“, fragte Diego Maradona mit gespielter Ignoranz und ließ den Gegner von einst im Zorn zurück.



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