Sport : Schottland verdrängt England Erfolg in Paris wichtiger als Heimsieg in Wembley

Markus Hesselmann

London - Der Stadionsprecher in Wembley war schon einen Schritt weiter. „Es ist fast schon Zeit, die Tickets für Österreich und die Schweiz zu buchen“, rief er nach Englands 3:0-Sieg über Russland. Auch wenn es mit drei ausstehenden Qualifikationsspielen noch lange nicht so weit ist, so hat England als Tabellenzweiter der Gruppe E nun alle Chancen, bei der EM 2008 dabei zu sein. Dank Michael Owen, der zwei Tore schoss und das dritte von Rio Ferdinand vorbereitete. Die Fans erklärten ihr Land singend zum „Owen Wonderland“. Doch nach diesem Spieltag gab es auf der Insel noch ein größeres Thema als Englands Erfolg: die schottischen Nachbarn im Norden.

Noch vor den Bildern aus Wembley zeigte die BBC am Morgen danach Bilder aus Paris. Dort gewann Schottland am Mittwochabend durch ein unglaubliches Tor aus fast vierzig Metern von James McFadden 1:0 gegen Frankreich. Mehr als 10 000 Fans in Schottenröcken feierten Schottlands Tabellenführung, und das in der wohl schwersten Qualifikationsgruppe. Hinter dem Team von Trainer Alex McLeish steht Italien nach einem 2:1 in der Ukraine auf Platz zwei, der auch noch zur EM-Teilnahme berechtigt. WM- Finalist Frankreich ist nur noch Dritter in der Gruppe B.

Die Briten lieben die Superlative, das ist auch nördlich von Hadrians Wall nicht anders. Und so war bei der BBC und in anderen Medien gleich vom größten schottischen Sieg aller Zeiten die Rede. McLeish sprach bescheidener von einem „der großartigsten Ergebnisse der vergangenen Jahre“. Auf jeden Fall war das 1:0 ein schöner Kontrast zum 0:5 im Jahr 2002 in Paris – zum Einstand von Berti Vogts als schottischem Nationaltrainer. Der frühere Bundestrainer wurde in Schottland viel kritisiert und musste schließlich gehen. Doch nicht ganz zu Unrecht reklamiert Vogts einen Teil des schottischen Aufschwungs für sich, denn er integrierte viele junge Spieler.

So könnten 2008 mit England und Schottland die beiden großen Teams aus dem Vereinigten Königreich dabei sein. Ein kleines Team hatte sich auch Hoffnung gemacht: Nordirland. Doch nach einem 1:2 in Island bleibt erst einmal nur Platz drei. Und Wales kann auch ein beeindruckendes 5:2 in der Slowakei nicht mehr helfen. Markus Hesselmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar