Sport : Schreck an der Luv-Tonne

Beim Berlin Match Race unterläuft Markus Wieser im Finale ein Fehler – am Ende siegt er dennoch

Hartmut Moheit

Berlin - An der Luv-Tonne, als ihm gerade ein schwerer Fehler unterlaufen war, schoss es Markus Wieser durch den Kopf: „Wenn ich dadurch das Rennen verliere, dann verliere ich auch noch das Finale.“ So hätte das 15. Berlin Match Race auf dem Wannsee zum Schluss noch eine besondere Zuspitzung erfahren, denn Wiesers Gegner war schließlich Jochen Schümann mit seiner Crew. „Dass ich das Rennen dann doch noch mit knapp einem Meter Vorsprung gewinnen konnte, war wohl die Entscheidung über den Gesamtsieg“, sagte der bärtige Bayer hinterher, „sonst hätte Jochen das Ganze wohl noch gedreht.“ Am Ende gab es für Markus Wieser, Gunnar Bahr und Ingo Borkowski ein glattes 3:0 gegen den Titelverteidiger aus Berlin – auf dem Wannsee der fünfte Sieg des Gold-Cup-Gewinners dieses Jahres. Damit fehlt ihm nur noch ein Erfolg, um mit dem bisher sechsmaligen Sieger Schümann gleichzuziehen.

Wasser in Massen von unten und von oben waren die Begleitumstände dieses Tages, der dennoch einen für das Segeln beeindruckenden Zuschauerandrang erlebte. 2500 kamen nach Angaben des Veranstalters allein am Sonntag. Da es für Segler ohnehin kein schlechtes Wetter gibt, sondern höchstens falsche Kleidung, hatten die Veranstalter vom Verein Seglerhaus am Wannsee und des Berliner Yacht-Klubs vorsorglich zwei Fahrgastschiffe gechartert. Proppenvoll nahmen sie Kurs in die Nähe der Regattabahn. Die Segler dankten es trotz widriger Umstände mit spannenden Bord-an-Bord-Kämpfen. Und wer am Ufer geblieben war, konnte das Match Race inklusive eines fachkundigen Kommentars auf Bildschirmen verfolgen.

„Ich habe im dritten Lauf alles versucht, das Finale zu verlängern, aber Markus war diesmal besser“, sagte Jochen Schümann. Deutschlands erfolgreichster Segler als dreimaliger Olympiasieger und America’s-Cup-Gewinner auf der Schweizer Alinghi 2003 haderte nicht lange mit der Niederlage. Auch nicht, obwohl mit Bahr und Borkowski bei Wieser zwei Männer als Vorschoter glänzende Arbeit leisteten, mit denen Schümann zusammen 2000 in Sydney Silber im Soling geholt hatte. Dass aber ausgerechnet Markus Wieser so stark segeln würde, damit konnte Schümann nicht unbedingt rechnen. Der einstige Match-Race-Spezialist Wieser ist mittlerweile in der Weltrangliste auf Platz 272 abgerutscht, weil er sich verstärkt anderen Segelklassen zugewandt hat. In diesem Jahr wurde er Deutscher Meister im Drachen, aber auch im Star-Boot war der Mann vom Starnberger See einige Zeit aktiv.

Zu den Vertretern einer Yacht, die im April 2007 vor Valencia um die Herausforderung des America’s-Cup-Siegers Alinghi segeln wird, gehört Wieser nicht. Sein Engagement beim Team Germany ist schon vor einiger Zeit wegen Zwistigkeiten mit Skipper Jesper Bank beendet worden. So war es schließlich der Däne Jesper Radich, der als Dritter – im Vergleich mit seinem Landsmann Jes Gram-Hansen – einen weiteren Namen erfolgreich präsentierte: Team Desafio Espanol. Dass der ausgesprochene Match-Race-Spezialist nicht ins Finale kam, sprach für die Klasse der beiden deutschen Teams, die sich nicht nur an der Luv-Tonne sehr nah waren.

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