Sport : Schrecken im System

Peter Ducke hat seine Geschichte aufgeschrieben

-

Herr Ducke, Ihre Karriere ging 1977 nach 352 Spielen für Jena und 68 Spielen für die DDR zu Ende. Warum kommt „Die PeterDucke-Story“ erst jetzt heraus?

Zu DDR-Zeiten wurde das untersagt. Erfolgreiche Sportler durften Bücher veröffentlichen. Aber die Fußballer waren im Gegensatz zu anderen DDR-Sportlern international weniger erfolgreich.

Was erwartet die Leser?

Es ist ein Nachwort auf meinen inzwischen verstorbenen Bruder Roland. Und es geht auch um mich. Natürlich wird sich vieles um meine Jahre in Jena drehen, wohin ich 1959 als 17-Jähriger kam.

Sie galten als Schrecken der Schiedsrichter. Zu Recht?

Ein bisschen schon. In der Fußballszene gibt es immer Persönlichkeiten, die nicht nach dem gleichen Strickmuster sind. Dieses Temperament liegt im Blut. Typen wie Basler, Effenberg, Ducke und Co. wollten sich nicht in ein Korsett stecken lassen. Das führte zu Konfrontationen.

1980 sind Sie mit einem ,Westauto’ im Jenaer Stadion vorgefahren. Das kostete Sie den Job als Nachwuchstrainer. Denken Sie noch manchmal daran?

Sicher, aber heute kann ich darüber lachen. Damals war mir nicht danach.

Nicht bewiesene Stasi-Vorwürfe machten Ihnen nach der Wende das Leben schwer. Ist das vergessen?

Nein. Ich bin nicht nachtragend, aber die Erinnerungen daran, was mir Leute angetan haben, werden bleiben.

Arbeiten Sie noch als Sportlehrer in Jena?

Nein, seit einigen Monaten bin ich Rentner. Jetzt lebe ich mit meiner Frau in Apolda. Im Mai habe ich zum dritten Mal geheiratet.

Am heutigen Sonnabend steigt in der Regionalliga das Thüringen-Derby zwischen Jena und Erfurt. Wer gewinnt?

Ich hoffe, Jena. Das Duell ist ein Schlager geblieben. Das Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld wird mit rund 12 000 Zuschauern ausverkauft sein. Die Begleiterscheinungen sind aber leider negativ, weil sich Hooligans aus ganz Deutschland angekündigt haben.

Die Fragen stellte Matthias Koch.

Peter Ducke, 64, war nach Ansicht Pelés einer der besten Stürmer der Sechzigerjahre. Er war einer der echten Typen des DDR- Fußballs. Mit Jena wurde er dreimal Meister und Pokalsieger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar